Die Grenzen der Werbung: Sklaven als Schnäppchen im Teleshopping

Freitag, 21. Juni 2013
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Teleshopping Schnäppchen Sensationalismus KBS+ Vancouver


Es ist das alte Dilemma von Nichtregierungs-Organisationen: Wenn sie für ihre Anliegen zu taktvoll sind, ignorieren viele Menschen das unangenehme Thema einfach. Werben Sie dagegen zu drastisch, erreichen sie zwar die erwünschte Aufmerksamkeit, setzen sich aber gleichzeitig dem Vorwurf des Sensationalismus aus. Diese Gratwanderung riskiert derzeit Worldvision Kanada mit ihrer frisch gestarteten Kampagne "No child for sale": In den Werbeclips sind lächelnde Teleshopping-Moderatoren zu sehen, die Kindersklaven als das ultimative Schnäppchen anpreisen. Der von der kanadischen Agentur KBS+ kreierte Auftritt ist bewusst als maximaler Aufreger konzipiert. "So ein Schnäppchen hatten wir den ganzen Tag noch nicht", schwärmt die Moderatorin mit einem strahlenden Lächeln. Und ihr Kollege ergänzt: "Deshalb ist er auch unsere Bonus-Produkt." Bei dem fraglichen Bonusprodukt handelt es sich um den minderjährigen Kewese, der mit den Eigenschaften "haltbar, stark und anpassungsfähig" angepriesen wird. der Salespitch der Verkäuferin: "Für 65 Dollar besitzen Sie damit einen Neunjährigen, der bis zu 18 Stunden arbeiten kann."



Der Spot führt zwar konsequent zu abschließenden Kampagnenbotschaft hin "Kein Kind sollte jemals zum Verkauf stehen", doch machen Betrachter stören stark an der "Geschmacklosigkeit" der Umsetzung. Eine Reaktion, mit der die Organisation durchaus selbst gerechnet hatte. So sagte Dave Toycen, Präsident von Worldvision Kanada: "Manche Kanadier werden sich bei dieser Kampagne unwohl fühlen. Aber beim Thema Kindersklaverei sollte sich niemand wohlfühlen."

Trotzdem bleibt die Kampagne für die Organisiation ein Risiko, denn Worldvision ist stark von seinem christlichen Unterstützerumfeld geprägt. Dementsprechend betonen ihre meisten Spendenkampagnen, die positiven Folgen der Spenden und halten sich bei drastischen Beschreibungen der Missstände eher zurück. Die kanadische Vertretung hat aber mit ihrem Auftritt anscheinend schon im Vorjahr positive Erfahrungen gemacht. Im ersten Jahr von "No child for sale" präsentierte die Organisation in Vancouver und Totonto scheinbare Kindersklaven zum Verkauf in Schaufenstern. cam
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