Die Bahn setzt mit Info-Kampagne jetzt auf harte Fakten

Dienstag, 27. März 2001

Die Deutsche Bahn unterbricht ihren - etwa gerade wieder beim ADC - preisgekrönten Imageauftritt der Hamburger Agentur Jung v. Matt: Ab sofort wird das Unternehmen auf angebissene Lenkräder und ähnlich provokante, gegen den Autoverkehr gerichtete Motive verzichten und ab Anfang April eine faktenorientierte Informationskampagne starten - Ende offen. Für den Sonderetat im höheren einstelligen Millionenbereich ist die Düsseldorfer Agentur Citigate SEA verantwortlich. Die JvM-Kampagne soll "zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden", so ein Bahnsprecher. "Damit haben wir ein Jahr lang behauptet, dass die Bahn das bessere System ist. Jetzt belegen wir es."

Auch wenn diese Interpretation in Berlin niemand bestätigen mag: Offenbar reagiert das Unternehmen damit auf die als immer größer empfundene Kluft zwischen dem Anspruch der selbstbewussten Imagekampagne einerseits und der tristen Bahn-Wirklichkeit andererseits, die erst gerade wieder durch eine umfassende Studie zur Kundenzufriedenheit dokumentiert wurde (HORIZONT 10/2001). Fazit: Die Bahn ist besser als ihr verheerendes Image. Doch dieses kann sich erst dann bessern, so lautet offenbar die neue Erkenntnis der Bahner, wenn zunächst gewisse Fakten erklärt sind.

Entsprechend sollen nun - zum Teil hoch politische - Themen wie die Trennung von Netz und Betrieb, die Rolle direkter und indirekter Subventionen beim Wettbewerb zwischen Schienen- und Straßenverkehr oder die respektable Anschlusspünktlichkeit von 95 Prozent kommuniziert werden. Zielgruppe der Printkampagne in Tagespresse und Entscheidermagazinen sind Meinungsbildner und Multiplikatoren. Parallel dazu wirbt die Bahn für spezielle Angebote wie das "Miles & More"-Programm oder die neuen Fahrkartenautomaten.
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