Deutschland vs. Griechenland: Eine Medien- und Werbeschau

Freitag, 22. Juni 2012
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Wirft Deutschland Griechenland heute aus der Euro? Oder rächen sich die Hellenen am Abend beim EM-Viertelfinale in Danzig stellvertretend für ihre stolze, aber leider chronisch klamme Nation an den in Finanzfragen ach so strengen Deutschen? Den Medien liefert die hoch brisante Partie zwischen dem Euro-Musterknaben und dem Pleite-Kandidaten jedenfalls reichlich Stoff für reisserische Schlagzeilen und massentaugliche Titelseiten. Auch die ersten Werbungtreibenden greifen das Thema auf. Dabei wird oft vergessen, dass der Sieger des Spiels schon längst ermittelt wurde - nämlich von Monty Python.

Der Monty-Python-Film zu Deutschland vs. Griechenland

Dieser Fußball-Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python ist einfach legendär: In der Partie Deutschland gegen Griechenland bekommen es große deutsche Denker wie Hegel, Kant, Schopenhauer und -  typisch britischer Humor - Beckenbauer mit griechischen Philosophen wie Plato, Aristoteles und Sophokles zu tun. Die Partie verläuft zu Beginn etwas zäh, das Ende ist für Deutschland allerdings wenig schmeichelhaft.

Die Partie Deutschland gegen Griechenland, von der sich die Monty-Python-Macher Graham Chapman und John Cleese bereits in den 70er Jahren inspirieren ließen, wird in diesen Tagen freilich auch in den Medien und der Werbung hochgekocht.

"Bild" macht auf Facebook gegen die Griechen Stimmung
"Bild" macht auf Facebook gegen die Griechen Stimmung
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Wenig überraschend sind die Schlagzeilen der "Bild"-Zeitung: "Tschüs Griechen. Heute können wir euch nicht retten", titelt das Springer-Blatt am Freitag mit gewohnt hämischem Unterton. Stimmung gegen Griechenland macht die "Bild" auch im Social Web. Auf Facebook ruft das Blatt zur "Unterstützung gegen die Griechen" auf. Die Fans des Blattes sollen ihren Schlachtruf auf der "Mein Klub App'" posten und so "Facebook zur größten EM-Fankurve machen", steht über dem oben abgebildeten Kampagnenmotiv.

Nicht weniger angriffslustig gibt sich die "Hamburger Morgenpost": "Jogi, schick die Griechen auf den Highway to Hellas", fordert das Blatt. Die "Berliner Morgenpost" geht etwas sanfter mit den Hellenen um: "Liebe Griechen, heute helfen wir euch nicht!", lautet die Hauptschlagzeile auf der Titelseite. Die "B.Z." zieht ebenfalls eine Parallele zur Politik: "Elf Merkels müsst ihr sein", fordert das Blatt auf der Titelseite.

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Auch die ersten Werbungtreibenden greifen das Viertelfinalspiel auf. So macht sich etwa Snickers auf einem neuen Anzeigenmotiv über die griechische Nationalelf lustig. Auf dem von BBDO Proximity in Düsseldorf entwickelten Motiv ist das Trikot des Verteidigers Papadopoulos abgebildet - doch anstelle von "Papadopoulos" ist der Name "Omadopoulos" auf dem Leibchen aufgedruckt. Dasselbe mussten bereits der Portugiese Ronaldo und der Niederlänger Van Bommel über sich ergehen lassen. Die Motive werden in der Tagespresse geschaltet und von Online-Bannern flankiert.

Mit einem klaren Sieg Deutschlands rechnet offenbar auch der Radiosender Radio Kiepenkerl. Das aktuelle Werbemotiv des kleinen Lokalradios lässt jedenfalls keinen Zwiefel daran, dass nach den deutschen Gruppengegnern Dänemark und Niederlande nun auch Griechenland den Kürzeren ziehen wird. 
Werbemotiv von Radio Kiepenkerl
Werbemotiv von Radio Kiepenkerl

Weitere Griechenland-Spots

 Auch andere Unternehmen haben bereits Werbung zum Thema Griechenland gemacht - wenn auch nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Fußball-WM. So hat Paulaner vor nicht allzulanger Zeit in seinem Paulanergarten auch Freunde aus Griechenland empfangen.

Die Kampagne von 11880 ist dagehen deutlich hämischer.  mas


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