Deutscher Werbemarkt legt um 1,2 Prozent zu

Montag, 13. Oktober 2008
Nielsen-Media-Chef Ludger Wibbelt hofft auf die Autobauer
Nielsen-Media-Chef Ludger Wibbelt hofft auf die Autobauer

Allen Horrormeldungen zum Trotz: Die Finanzkrise schlägt bislang offenbar noch nicht auf den deutschen Werbemarkt durch. Darauf deutet zumindest die jüngste Entwicklung der Werbespendings hin. So haben sich die Brutto-Investitionen in der Zeit von Juli bis September in Deutschland sogar besser entwickelt als in den beiden vorangegangenen Quartalen. Das geht aus den aktuellen Auswertungen des Hamburger Medien- und Werbeforschungsunternehmens Nielsen Media Research hervor. Danach haben Werbungtreibende in der Zeit von Anfang Januar bis Ende September unter dem Strich 14,8 Milliarden Euro brutto für klassische Kommunikation locker gemacht - das entspricht einem leichten Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Medien - Gewinner und Verlierer

TV-Werbung: 6,3 Milliarden Euro (Plus 4,4 Prozent)
Tageszeitungen: 3,9 Milliarden Euro (Plus 0,6 Prozent)
Publikumszeitschriften: 2,8 Milliarden Euro (Minus 2,8 Prozent)
Radio: 914 Millionen Euro (Minus 2,2 Prozent)
Plakat: 584 Millionen Euro (Plus 0,7 Prozent)
Fachzeitschriften: 319 Millionen Euro (Minus 2,0 Prozent)
Kino: 48 Millionen Euro (Minus 7,0 Prozent)

"Wir rechnen schon damit, dass sich die Finanzkrise und deren Bewältigung auch auf den Werbemarkt auswirken werden", schränkt Nielsen-Media-Chef Ludger Wibbelt ein. Allerdings sei es auch in schwierigen Zeiten sinnvoll, seine Leistungen, Services und neue Produkte werblich zu unterstützen und das Vertrauen der Konsumenten zu festigen oder zu gewinnen. "Wir sehen hier auch eine Chance, im Markt zu punkten", spornt Wibbelt die Unternehmen an.

Treiber des bisherigen Wachstums ist einmal mehr der Handel, der seine Investitionen um 4,6 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro anhebt. Während Elektronikriese Media Saturn - mit mehr als 300 Millionen Euro weiterhin der größte Spender Deutschlands - seine Ausgaben stabil hält, geben vor allem die beiden Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl kräftig Gas. So erhöht Aldi seinen Etat um 33 Prozent auf 264 Millionen Euro, Lidl legt um knapp 20 Prozent auf 180 Millionen Euro zu.

Selbst die derzeit so gebeutelte Finanzdienstleistungsbranche hat ihre Werbeausgaben noch nicht spürbar gedrosselt - jedenfalls bis Ende September. Vor allem weil die Ausgaben für Imagewerbung um 126 Prozent angehoben wurden, gingen die Spendings der Finanzunternehmen unter dem Strich nur leicht um 1,4 Prozent zurück.

Nielsen-Media-Chef Ludger Wibbelt: Eine Prognose für den Rest des Jahres ist aufgrund des volatilen Marktes derzeit nicht seriös.“
Für weiteres Wachstum sorgten neben den Handelsorganisationen auch die Branchen Online-Dienstleistungen (plus 64,7 Millionen Euro), TV Programm (plus 63,7 Millionen Euro) sowie Festnetz (plus 47,3 Millionen Euro) und Körperschaften (plus 43,8 Millionen Euro).

Zum Minus beigetragen haben nicht zuletzt auch die deutschen Medienhäuser selbst. So wurde für die Bewerbung neuer TV-Formate 82 Millionen Euro weniger ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Die Eigenwerbung für Publikumszeitschriften ging um 55 Millionen Euro zurück.

Auch die Automobilindustrie erweist sich bislang als Wachstumsbremse. Während die Branche im vergangenen Jahr noch mit einem satten Plus für ordentlich Wachstum sorgte, gingen die Spendings in diesem Jahr bislang um 10,6 Prozent zurück. Lediglich Renault, Mazda und Seat investierten in den ersten drei Quartalen mehr als im Vorjahr. Nielsen-Media-Chef Wibbelt glaubt aber, dass die Autobauer im vierten Quartal noch für eine Überraschung gut sind: "Einige wichtige Kampagnen sind für den Rest des Jahres eingeplant, wie zum Beispiel von Volkswagen oder Renault", so Wibbelt. Auf eine konkrete Aussage zum Gesamtjahr will er sich aber nicht festlegen: "Eine Prognose für den Rest des Jahres ist aufgrund des volatilen Marktes derzeit nicht seriös", so Wibbelt. mas
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