Der Neckermann-Katalog wird zum Fall für's Museum

Donnerstag, 03. Mai 2012
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Es ist ein Wechsel, der sich mit der Abschaffung des Hauptkatalogs Ende Januar andeutete, doch jetzt ist es aktuell: Neckermann verabschiedet sich endgültig aus dem traditionellen Versandhandelsgeschäft und wird zu einem reinen E-Commerce-Unternehmen. Die Umstrukturierung wird 1380 Neckermann-Angestellte den Job kosten, bedeutet eine vollständige Streichung des Eigentextilsortiments sowie der Katalog-Produktion und soll in diesem und im nächsten Jahr mit 90 Millionen Euro an Investitionen vorangetrieben werden. Henning Koopmann, CEO von Neckermann, betonte bei der Präsentation der neuen Strategie, dass das Unternehmen mit diesem Schritt nur die Konsequenzen aus dem veränderten Einkaufverhalten der Konsumenten ziehe. 2011 betrug das Onlinewachstum 19 Prozent und habe sich im ersten Quartal 2012 sogar auf 30 Prozent gesteigert: „Damit bestätigen unsere Kunden die E-Commerce-Ausrichtung von Neckermann.de".

Henning Koopmann, CEO von Neckermann
Henning Koopmann, CEO von Neckermann
Einen genau entgegengesetzten Trend zeigt dagegen das Kataloggeschäft. 2011 schrumpfte hier der Umsatz um 18 Prozent, im ersten Quartal dieses Jahres kletterte das Minus sogar auf 50 Prozent. Angesichts der schrumpfenden Umsätze verschiebe sich für das traditionsreiche Verkaufsmedium die Kosten-Nutzen-Rechnung, argumentiert Koopmann: „Dadurch werden zu viele Ressourcen gebunden. Das erschwert nachhaltig die profitable Entwicklung von Neckermann.de". Mit dem endgültigen Aus für die Kataloge ist allerdings erst in den kommenden Monaten zu rechnen, da das Erscheinen einiger Themenkataloge noch fest eingeplant ist.

Wie das angekündigte Investitionsvolumen für die Repositionierung verteilt werden soll, will das Unternehmen genauso wenig kommentieren, wie die Höhe seines derzeitigen Marketingetats. Es darf jedoch als wahrscheinlich gelten, dass der Löwenanteil des Budgets ins Online-Marketing fließen wird. Schon 2012 sollen dadurch die Investitionen ins Online-Marketing um 40 Prozent steigen. cam
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