Debitel-Übernahme: Freenet wird zur Mobile-Marke / Werbeetat bleibt trotz Kostendruck stabil

Montag, 28. April 2008
Will DSL-Geschäft bis Jahresende abstoßen: Freenet-Chef Eckhard Spoerr
Will DSL-Geschäft bis Jahresende abstoßen: Freenet-Chef Eckhard Spoerr

Monatelang musste Freenet-Chef Eckhard Spoerr um die Zukunft seines Unternehmens bangen, jetzt ist dem Manager der erhoffte Befreiungsschlag gelungen. Der Hamburger Telekommunikationskonzern wird den Stuttgarter Mobilfunk-Service-Provider Debitel mit seinen 13,2 Millionen Kunden und den rund 640 Shops übernehmen. Damit entsteht mit circa 19 Millionen Kunden und mehr als 1000 Filialen der größte Mobilfunk-Service-Provider sowie die Nummer 3 der Mobilfunkanbieter in Deutschland. Im Zuge des Zusammenschlusses wird Freenet seine Führungsmannschaft erweitern. Debitel-Chef Oliver Steil soll die Position des Vorstands Vertrieb und Kundenmarketing übernehmen.

Zieht in den Freenet-Vorstand ein: Debitel-Chef Oliver Steil
Zieht in den Freenet-Vorstand ein: Debitel-Chef Oliver Steil
Für den Stuttgarter Mobilfunk-Wiederverkäufer Debitel, zu dem auch Talkline, dessen Billigmarke Callmobile sowie die Handelskette Dug Telecom gehören, legt Freenet insgesamt 1,63 Milliarden Euro auf den Tisch. Verkäufer ist die mehrheitlich vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Holding Gesellschaft Debitel. Der Freenet-Aufsichtsrat hat dem Deal bereits zugestimmt.

  „Diese Transaktion ist ein Meilenstein in der lang diskutierten Konsolidierung im deutschen Telekommunikationsmarkt“, kommentiert Freenet-Chef Spoerr die Übernahme. Nach Abschluss dieser Transaktion werde Freenet die notwendige Unternehmensgröße besitzen, um eine führende Position im deutschen Telekommunikationsmarkt einzunehmen und "als aktiver Treiber" die Konsolidierung voranzutreiben, so Spoerr weiter.


Eckhard Spoerr: Um das Unternehmen gut im Markt zu positionieren, sind erhebliche Marketingaufwendungen nötig, das wollen wir uns auch weiter leisten“
Mit der Übernahme von Debitel fokussiert sich Freenet noch stärker als bislang auf den Mobilfunkmarkt. Wie Spoerr in einer Telefonkonferenz am Montagmittag ankündigte, soll künftig neben dem Service-Provider-Geschäft das Portalgeschäft sowie die Entwicklung innovativer Produkte für das mobile Internet im Mittelpunkt stehen. Das  DSL-Geschäft soll dagegen bis spätestens Ende 2008 verkauft werden.

Als Käufer kommt laut Spoerr nach wie vor auch United Internet in Frage. Das Unternehmen ist gemeinsam mit dem Mobilfunkanbieter Drillisch über die Holding MSP derzeit mit gut 25 Prozent an Freenet beteiligt. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth und Drillisch-Chef Paschalis Choulidis waren aber bis zuletzt mit ihrem Vorhaben gescheitert, Freenet unter sich aufzuteilen. Während es United Internet auf das DSL-Geschäft abgesehen hatte, wollte Drillisch das Mobilfunk-Service-Provider-Geschäft übernehmen. Letzteres dürfte mit dem Kauf von Debitel durch Freenet nun endgültig vom Tisch sein.

Freenet und debitel agieren künftig unter einem Dach
Freenet und debitel agieren künftig unter einem Dach
Wie genau die künftige Markenstrategie aussehen soll, ist derzeit noch unklar. Nur eines steht fest: "Die Marke Freenet steht in keiner Weise zur Disposition", stellt Spoerr klar. Und zwar selbst dann nicht, wenn ein potenzieller Käufer des Freenet-DSL-Geschäfts das Recht erhalten sollte, die Internet-Zugänge weiterhin unter der Marke Freenet zu vermarkten. Auch die Marke Debitel soll dem Vernehmen nach erhalten bleiben, zumindest "nach heutigem Stand", so Spoerr. Bevor die Details der künftigen Markenstrategie verkündet werden, will Spoerr erst einmal die Marktforscher konsultieren. "Abhängig von den Ergebnissen werden wir entscheiden, welche Marke in Zukunft wie stark in der Werbung und im Vertrieb unterstützt wird", so Spoerr.

Eine Vorentscheidung gefallen ist bereits im sogenannten No-Frills-Segment. Laut Spoerr hat der Freenet-Billiganbieter Klarmobil bereits eine deutlich höhere Bekanntheit aufgebaut als die Debitel-Marke Callmobile.  "In diesem Segment werden wir uns voraussichtlich stärker auf Klamobil konzentrieren", so Spoerr.

Der Befürchtung, die im Zuge der Übernahme nötige finanzielle Belastung könnte zu einer Reduzierung der Werbeausgaben führen, erteilt Spoerr eine Absage. "Um das Unternehmen gut im Markt zu positionieren, sind erhebliche Marketingaufwendungen nötig, das wollen wir uns auch weiter leisten." Zunächst sei geplant, die Spendings stabil zu halten. Für die Zukunft gibt sich Spoerr optimistisch: "Wenn wir unsere Wachstumsziele erreichen, dann reden wir eher über eine Aufstockung unseres Werbeetats."
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