Debatte: Warum Facebook fürs Marketing immer wichtiger wird

Donnerstag, 24. Juni 2010
Nike stampft passend zum Deutschland-Sieg eine Özil-Fanpage aus dem Boden
Nike stampft passend zum Deutschland-Sieg eine Özil-Fanpage aus dem Boden

Für Online-Manager wie Matthias Ehrlich wird auf Plattformen  wie Facebook tendenziell zu viel gequatscht, und Markenführung eher erschwert als erleichtert. In Büchern und in  Seminaren wird langatmig erklärt, was es mit Marketing auf Social Networks auf sich hat. Dabei ist die Antwort auf die Frage, warum Facebook für Marken und Marketer immer wichtiger wird, manchmal ziemlich einfach:  Man ist mitten in der Zielgruppe. Man kann flexibel auf aktuelle Ereignisse reagieren. Und der Launch einer Fanpage geht schneller und ist kostengünstiger als der Launch einer eigenen Website. Jüngstes Beispiel ist die Vermarktung der deutschen Mittelfeldhoffnung Mesut Özil durch Nike. Im Vorfeld der Fußball-WM hatte das Unternehmen  mit einem phantastischen Drei-Minuten-Spot geglänzt („Schreib Zukunft"). Social Media gab es zwar auch, aber vor allen Dingen als Ergänzung der klassischen Aktivitäten. Umgekehrt die Strategie des Konkurrenten Adidas: Der hatte in erster Linie über seine Facebook-Fanpage kommuniziert. TV wurde/wird nur punktuell eingesetzt.

Doch mit dem Start der WM und ansteigendem WM-Fieber nehmen bei Nike auch die Social-Media-Aktivitäten zu, wenn es Anlässe gibt, wie den mühsam erzitterten 1:0-Sieg gegen Ghana ins Spiel. „Nike widmet dem Held des gestrigen Spiels Mesut Özil eine eigene Kampagne", lässt Nike verlauten. Motto der Kampagne: 201Ö. Schon vor der WM war der Torschütze Teil der WM-Kampagne von Nike. Im Rahmen einer Facebook-Aktion hatten Özil-Fans die Möglichkeit, dem Fuballer Grüße mit auf den Weg nach Südafrika zu geben. Nach dem Tor gestern, mit dem Özil das Nike-Motto „Schreib Zukunft" perfekt umgesetzt hatte, befassen sich die Fan-Einträge  vor allen Dingen mit  Huldigungen für „Zauberer von Öz". 

Einige wahllos herausgegriffen Kommentare: „Sorry Ghana, aber das war ein SUPER TOR Herzlichen Glückwunsch." „Ein Türke, der in Deutschland geboren, aufgewachsen und Fußballl spielen gelernt hat. Also würde ich sagen ein Deutscher, es lebe die Integration!" „Einfach nur Hammer, der Typ!"

Um Kritikern wie Mathias Ehrlich entgegen zu kommen: Klar ist das „Gequatsche". Aber es ist Gequatsche mit höchster Markenrelevanz: Authentisch, diskursive, emotional und mit aktuellem Bezug: Das können klassische Off- wie Online-Kampagnen nur in den wenigsten Fällen liefern. vs
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