"Das habe ich gestoppt": Bahlsen-Chef will Keks-Klau nicht fürs Marketing nutzen

Montag, 10. Juni 2013
Der goldene Leibniz-Keks ist das Wahrzeichen von Bahlsen - und wurde im Januar 2013 gestohlen
Der goldene Leibniz-Keks ist das Wahrzeichen von Bahlsen - und wurde im Januar 2013 gestohlen


Der Diebstahl des goldenen Leibniz-Kekses, der dem Kekshersteller Bahlsen als Wahrzeichen dient, belustigte zu Beginn des Jahres die ganze Republik. Bis heute muss sich das Hannoveraner Traditionsunternehmen allerdings gegen den Vorwurf wehren, das Ganze sei ein inszenierter PR-Gag gewesen. Jüngstes Beispiel: Ein Interview von Firmenchef Werner Bahlsen in der Montagsausgabe der "Süddeutschen Zeitung".
"Unser Marketing hatte viele Ideen, was sich daraus noch alles machen ließe. Aber das habe ich gestoppt", so Bahlsen auf die Frage der Redakteure Kristina Läsker und Dieter Sürig, ob das Ganze nicht doch ein PR-Gag gewesen sei. Aus den weiteren Antworten des Firmenchefs, dessen Großvater Hermann einst den gezackten Leibniz-Keks erfand, lässt sich erahnen, dass die Erfahrungen des Frühjahrs noch immer an ihm nagen: "Es waren sogar zwei Staatsanwälte hier, die haben mich zwei Stunden lang als Zeugen befragt. Eine neue Erfahrung." Nachdem Bahlsen zugesagt hatte, 52.000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, tauchte das Diebesgut an der Leibniz-Universität zu Hannover wieder auf. Der oder die Täter sind nach wie vor nicht geschnappt. Derzeit befindet sich der goldene Keks leihweise in einem Museum.

Obwohl aus den zahlreichen polizeilichen Aktivitäten während und nach dem Keks-Klau hervorgeht, dass es sich wirklich um eine Straftat und keinen PR-Gag handelte, wäre marketingtechnisch aus der Geschichte einiges herauszuholen gewesen. Das sah seinerzeit auch Stephan Rebbe so, Chef der Leibniz-Agentur Kolle Rebbe: "Mein erster Gedanke war: Großartig! Was für eine Steilvorlage! Besser geht es gar nicht!", so Rebbe damals gegenüber HORIZONT.NET. So oder so: Für Bahlsen zahlte sich "Krümelgate" (Der mutmaßliche Dieb gab sich nur im Outfit des Krümelmonsters aus der Sesamstraße zu erkennen) quasi ungewollt dennoch aus: Wie die Agentur Landau Media Monitoring im Auftrag von "Markt und Mittelstand" errechnet hatte, entsprachen die Artikel aus der Berichterstattung zum Bahlsener Keks-Klau einem Mediawert von mindestens 1,7 Millionen Euro.

Demgegenüber standen die knapp 40.000 Euro, die Bahlsen für seine Keks-Spende locker machte. Nach Werner Bahlsens Angaben im "SZ"-Interview gibt die Firma 35 Millionen Euro für Werbung und Promotions aus. ire
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