Das Sterben geht weiter: Jetzt ist Neckermann nicht mehr zu retten

Mittwoch, 26. September 2012
Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt
Die Neckermann-Zentrale in Frankfurt


Otto, Quelle, Neckermann: Die großen Traditionsmarken des deutschen Versandhandels kommen nicht aus der Krise heraus. Vor einer Woche musste Otto im Rahmen eines konzernübergreifenden Stellenabbaus bekanntgeben, dass Quelle künftig nur noch eine Sub-Marke ohne eigenständige Strukturen ist. Jetzt meldet der insolvente Versandhändler Neckermann offiziell das Scheitern der Rettungsversuche. Die meisten Mitarbeiter sind zum 1. Oktober freigestellt und die Geschäftsleitung beginnt offiziell mit der Abwicklung des Unternehmens.
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Das Unternehmen stellt dazu in seiner offiziellen Pressemitteilung fest: "Nach monatelangen Gesprächen mit potenziellen Investoren konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Investor gefunden werden." Zwar gebe es noch Gespräche mit einem interessierten Investor, aber aus insolvenzrechtlichen Gründen müsse die Geschäftsleitung mit der Abwicklung der Neckermann.de GmbH, der Neckermann Logistik GmbH sowie der Neckermann.Contact Heideloh GmbH beginnen.

Das hatte Mitte Juli noch ganz anders geklungen, als das Unternehmen den Insolvenzantrag stellen musste. Auslöser der Krise  war damals die Weigerung des Gesellschafters Sun Capital, zusätzliche Mittel für die Restrukturierung des Unternehmens bereitzustellen. Diese Entscheidung war damals ein Schock für alle Beteiligten gewesen, da sich zu diesem Zeitpunkt die deutsche Geschäftsführung mit der Gewerkschaft und den Betriebsräten schon über die Umsetzung des nötigen Stellenabbaus weitgehend geeinigt hatten.

Zunächst war Neckermann noch äußert optimistisch, neue Investoren finden zu können, um Sun Capital ersetzen zu können. Das Unternehmen startete sogar eine Onlinekampagne zusammen mit Ogilvy Frankfurt, um seinen Kundenstamm auch während der Insolvenz an das Unternehmen zu binden. Mit Sprüchen wie "Insolvent. Na Und? Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware" warb Neckermann auf seiner eigenen Homepage und Facebook. In Nachhinein wirkt der freche Spruch wie ein böses Omen. Denn an der Unfähigkeit, neues Geld zu bestellen, ist Neckermann nach 62 Jahren Unternehmensgeschichte nun endgültig gescheitert. cam
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