Dank Filtertüten-Bashing: Kaffee Partner freut sich über PR-Effekt

Dienstag, 19. Januar 2010
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Die Verantwortlichen bei Kaffee Partner dürften sich ob so viel kostenloser PR die Hände reiben: Der Lieferant von Kaffeevollautomaten für Büros und Betriebe hat vor dem Landgericht Hamburg zumindest einen PR-Sieg gegen Melitta errungen. Demnach bestätigten die beteiligten Richter zwar eine einstweilige Verfügung, die der Filtertüten- und Kaffeehersteller wegen eines Werbespots gegen Kaffee Partner verhängt hatte - Grund sei allerdings lediglich ein Fehler in der Darstellung, so erklärt Kaffee Partner in einer daraufhin versendeten Pressemitteilung. Das Wallenhorster Unternehmen entfernte kurzerhand das beanstandete Element und zeigt den Spot ab sofort wieder auf seiner Homepage. Nach Angaben von Kaffee Partner bestätigte das Gericht die Auffassung nicht, dass der Film "herabsetzend" für Melitta sei. Melitta war für eine Stellungnahme zunächst nicht telefonisch zu erreichen, widerspricht der Darstellung von Kaffee Partner aber in einer Mail an HORIZONT.NET. "Das LG Hamburg hat ausschließlich über die Kernaussage des Werbespots verhandelt und festgestellt, dass Kaffeepartner durch die Art und Weise der Darstellung die Grenzen der erlaubten vergleichenden Werbung überschritten hat und damit eine Irreführung des Verbrauchers initiiert. Über weitere Aussagen wurde nicht verhandelt. Melitta hat vom LG Hamburg Recht bekommen, Kaffeepartner nicht", schreibt Sprecherin Annette Kahre. Zudem outeten sich die Richter Kahre zufolge sogar noch als wahre Filtertüten-Fans: Sie hätten "in der Verhandlung deutlich gemacht, dass sie sich als Verbraucher täglich selbst davon überzeugen, dass Kaffeebrühen mit Filtertüten® weder umständlich noch zeitraubend ist."

Der gerügte Spot zeigt Komikerin Mirja Boes als Sekretärin, die mit den Tücken einer herkömmlichen Kaffeemaschine im Büro kämpft. Dazu lief in der ursprünglichen Version ein "Lohnkostenzähler", der zeigte, wie teuer die Aktion des Kaffeekochens den Chef zu stehen kommt. Dieser war laut Kaffee Partner Anlass für das Gericht, die einstweilige Verfügung dennoch zu bestätigen. Grund: Er könne den Eindruck erwecken, dass bereits die gezeigten Vorbereitungen zum Kaffeekochen 3,20 Euro Lohnkosten verursachten.

Der Markenname Melitta taucht im Spot übrigens nicht auf. Wie Kahre jedoch im November gegenüber HORIZONT.NET erklärte, sei der Markenschutz Grund für die Unterlassungserklärung: Das Filterpapier in der charakteristischen Tütenform sei ein "Urprodukt" von Melitta. Zudem habe man die Namensrechte an dem Begriff "Filtertüte".

Die Aktion kam für Melitta zu einem ungünstigen, für Kaffee Partner jedoch zu einem sehr günstigen Zeitpunkt: Die Unterlassungserklärung Melittas trudelte beim Lieferanten Anfang November ein. Kurz zuvor hatte eine Abmahn-Aktion des Outdoor-Ausrüsters Jack Wolfskin für heftige Diskussionen in Blogs und bei Twitter gesorgt. Doch während die Sympathien der Blogosphäre im Wolfskin-Fall eindeutig bei den Abgemahnten lagen, witterten Blogger beim Filtertüten-Streit einen provozierten PR-Gag für Kaffee Partner. In jedem Fall erlangte das Unternehmen durch die Aktion einiges an Bekanntheit. Der PR-Effekt für Melitta dürfte, zumindest im Social Web, weniger positiv ausgefallen sein.  np
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