DFL kündigt urheberrechtlichen Schutz für Fußball-Spielpläne an

Mittwoch, 22. Juni 2011
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Die Deutsche Fußballliga (DFL) kündigte heute in Frankfurt an, den Spielplan der 1. und 2. Fußball-Bundesliga urheberrechtlich schützen zu lassen, sollte der kürzlich ausgehandelte Entwurf für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag zustande kommen. Dieser sieht eine Lizenzvergabe an eine begrenzte Anzahl von Unternehmen, hohe Konzessionen und eingeschränkte Werbemöglichkeiten für private Anbieter von Sportwetten vor. Ein Modell, das wohl nur wenige Unternehmen in Anspruch nehmen werden - wodurch letztlich das Umsatzpotential der DFL leiden wird. Mit den Lizenzgebühren will die DFL eine angemessene Beteiligung des Profi-Fußballs an den Einnahmen aus dem Wettmarkt sicherstellen. Der nun vorgelegte Plan auf Leistungsschutzrecht sieht vor, dass eine kommerzielle Nutzung des Spielplanes der DFL ab 1. Januar 2012 nur nach vorheriger Genehmigung möglich ist. Die DFL beruft sich dabei ausdrücklich auf das deutsche Urheberrecht: Dieses besagt, dass eine Datenbank, wie zum Beispiel ein Spielplan, dann geschützt werden darf, wenn eine eigene geistige Schöpfung und ein kreativer Spielraum bei der Erstellung vorliegen. In diesem Fall spricht man von einem Datenbank-Werk. Die DFL argumentiert, dass die Auswahl und Anordnungen der Spielbegegnungen der Bundesliga eine schöpferische Leistung sind - und damit unter das Urheberrecht fallen. Holger Blask, Leitender Justiziar der DFL, versichtert, dass mehrere Rechtsgutachten die Haltung des Verbands bestätigten. Wie hoch die Lizenzgebühren sein werden, sollte der Plan in Kraft treten, wollte die DFL nicht konkretisieren.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert
Nötig wurde die Maßnahme aus Sicht der DFL, weil der Anfang April von den Innenministern der Länder, in deren Zuständigkeit das Thema Glücksspiel fällt, ausgehandelte Vertrags-Entwurf nicht markgerecht sei: Der Vertrag sieht sieben Lizenzen für Anbieter von Sportwetten und eine Konzessionsabgabe von 16,66 Prozent vor. Zudem beschränkt der Kontrakt die Werbemöglichkeiten der ohnehin wenigen vorgesehenen Lizenznehmer. Auch eine Kanalisierung in den legalen Markt werde durch das Modell nicht erreicht. Dies sorge dafür, dass weder eine Öffnung des Sportwettenmarktes noch ein wirtschaftlich vernünftiger Wettbewerb entstehen könne, argumentiert die DFL. Dadurch würden nicht nur dem Profisport, sondern auch dem Breitensport jedes Jahr Einnahmen in Millionenhöhe verloren gehen.

Die DFL fordert von den Innenministern eine Anpassung des Vertrags-Entwurfs. "Wir bekennen uns nach wie vor zum Prinzip der Solidarität mit dem Breitensport", erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Das erfordere eine Zulassung privater Wettanbieter unter staatlicher Kontrolle, Zulassung von Internet-Angeboten unter Berücksichtigung der Belange des Sports sowie Erweiterung der Werbemöglichkeiten. Statt Konzessionen favorisisert die DFL Sportwetten-Abgaben. An diesen Einnahmen und der Werbeerlösen sollten sowohl Profi- als auch Breitensport beteiligt werden.

Komme die geforderte Öffnung des Sportwettenmarktes nicht, werde die DFL noch in diesem Jahr in Lizenzverhandlungen mit Anbietern in Deutschland treten. ire
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