Commerzbank beerdigt Marke Dresdner Bank / Walter wird Marketingchef

Montag, 01. September 2008
Dresdner-Bank-Vorstandschef Herbert Walter wird Marketingchef des neuen Finanzriesen
Dresdner-Bank-Vorstandschef Herbert Walter wird Marketingchef des neuen Finanzriesen

Jetzt ist es amtlich: Nach monatelangen Verhandlungen übernimmt die Commerzbank die Dresdner Bank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro von der Allianz. Die Transaktion soll bis spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein. Mit dem Verkauf des fast 140 Jahre alten Kreditinstituts verschwindet auch die Marke Dresdner Bank von der Bildfläche. Marketingchef des neuen Finanzriesen, der mit elf Millionen Privatkunden und einer Bilanzsumme von über 1,1 Billionen Euro zur Nummer 2 nach der Deutschen Bank aufsteigt, wird der bisherige Dresdner-Bank-Vorstandschef Herbert Walter. Das bestätigt eine Unternehmenssprecherin gegenüber HORIZONT.NET. "Wir werden in Zukunft nur noch eine Marke haben und damit im Marketing deutlich schlagfertiger auftreten", sagte Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing heute auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Zwar habe sich der Vorstand die Entscheidung nicht leicht gemacht, da die Dresdner Bank genau wie die Commerzbank eine starke Marke mit enormem Wert und hohem Kundenbindungspotenzial sei. Dennoch führe an der Zusammenlegung kein Weg  vorbei. "Es ergibt keinen Sinn, zwei Marken zu erhalten", erklärt Blessing, der einst als Manager der Dresdner Bank das Image des Finanzdienstleisters selbst mit aufgebaut hatte.

Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Blessing: Wir werden in Zukunft nur noch eine Marke haben und damit im Marketing deutlich schlagfertiger auftreten“
Vielleicht will die Commerzbank auch deshalb mit dem Erbe der Dresdner Bank behutsam umgehen. Unter dem Motto "Commerzbank - die Beraterbank" sollen die wichtigsten Markenwerte der Dresdner Bank weitergeführt werden, skizziert Blessing beispielhaft die künftige Markenstrategie. Die Dresdner Bank hatte sich seit Jahren in der Werbung als "die Beraterbank" positioniert. Auch einige Produkte der Dresdner Bank, die von den Kunden gut angenommen werden, sollen nach dem offiziellen Namenswechsel weitergeführt werden. Dasselbe gilt zumindest für einen Teil des Filialnetzes. So will der Bankenriese in Deutschland künftig rund 1200 Filialen betreiben. "Damit wollen wir näher am Kunden sein als der Wettbewerb", gibt Blessing die Richtung vor. Die Commerzbank ist derzeit lediglich mit 800 Filialen in den Städten präsent. Zu Schließungen soll es nur dort kommen, wo Filialen von Commerzbank und Dresdner Bank in unmittelbarer Nähe liegen.

Ob die Kampagnen der Dresdner Bank kurzfristig gestoppt werden oder weiterlaufen, ist derzeit noch unklar. "Die Details stehen noch nicht fest", so ein Sprecher auf Anfrage von HORIZONT.NET. Auch die Auswirkungen auf die Agenturbeziehungen sind noch offen. Die Frankfurter Commerzbank arbeitet derzeit mit Scholz & Friends, Hamburg, zusammen, den Kreativetat der Dresdner Bank hält Ogilvy & Mather, Frankfurt.
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