Collecting Trouble: Wie Nokia gegen den Untergang kämpft

Freitag, 15. Juni 2012
Zeichen des Niedergangs: Geschlossener Nokia-Laden in Frankfurt
Zeichen des Niedergangs: Geschlossener Nokia-Laden in Frankfurt

Im Kampf um die Rettung von Nokia zieht Vorstandschef Stephen Elop jetzt alle Register. Infolge eines Milliardenverlusts im 1. Quartal setzt der einstige Handy-Riese weitere 10.000 Mitarbeiter vor die Tür. Dazu gehört auch Marketingchefin Jerri DeVard, die das Unternehmen wie zwei weitere Top-Manager noch in diesem Monat verlassen wird. Zudem verkauft Nokia sein Tafelsilber: Die Luxusmarke Vertu gehört künftig dem Finanzinvestor EQT.
Anzeigenmotiv von Vertu
Anzeigenmotiv von Vertu
Der Verkauf Vertu zeigt, dass Nokia mit dem Rücken zur Wand steht. Die 1995 im englischen Church Crookham gegründete Marke, die für ihre aus Gold, Platin, Diamanten und Keramik gefertigten Luxus-Handys Preise zwischen 4000 bis 80.000 Euro aufruft, macht Medienberichten zufolge einen jährlichen Umsatz von 200 bis 300 Millionen Euro. Der Verkauf von 90 Prozent der Anteile an den Finanzinvestor EQT soll Nokia nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg rund 200 Millionen Euro einbringen.

Marketingchefin Jerri DeVard muss gehen
Marketingchefin Jerri DeVard muss gehen
Angesichts der tiefroten Zahlen ist der Verkaufserlös allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im 1. Quartal 2012 ging der Umsatz von Nokia um 30 Prozent auf knapp 7,4 Milliarden Euro zurück. Beim Verlust schrammte Nokia mit 929 Millionen Euro nur knapp an der Milliardenmarke vorbei.

Als Konsequenz geht es nun auch dem Top-Management an den Kragen: Neben Chief Marketing Officer Jerri DeVard, die den Posten erst Anfang 2011 übernommen hatte, müssen auch Mobile-Phones-Chefin Mary McDowell und der Chef der Markets-Unit Niklas Savander gehen.

Smartphone-Markt: Marktanteile von 2009 bis 2012

#CHB+62072#
Ihr Glück versuchen dürfen ab Juli 2012 nun gleich vier Neue: Tuula Rytila beerbt DeVard als Chief Marketing Officer. Dabei wird sie künftig mit der neuen Kommunikationschefin Susan Sheehan und mit Chris Weber zusammenarbeiten, der den Posten des Executive Vice President of Sales and Marketing übernimmt. Timo Toikkanen wird neuer Chef der Mobile-Phones-Sparte.

Nokia hat bereits vor Jahren den Anschluss im Smartphone-Markt verpasst und rutscht seitdem immer weiter in die Krise. Zwar gehört der finnische Konzern aufgrund der vor allem in Afrika und Lateinamerika nach wie vor bestehenden Nachfrage nach herkömmlichen Mobiltelefonen immer noch zu den größten Handyherstellern der Welt (siehe Chart unter "Mehr zum Thema").

Allerdings sagen Experten voraus, dass das Geschäft mit Mobiltelefonen bald vollständig einbricht und nur noch Smartphones nachgefragt werden.

 Hier hat Nokia zwar mit dem Lumia (siehe TV-Spot rechts) ein hoch gelobtes Smartphone mit dem Betriebssystem Windows Phone 7 von Microsoft auf den Markt gebracht. Doch wird der Markt inzwischen von Anbietern wie Samsung und Apple beherrscht (siehe Chart oben). Zudem wurde der Lumia-Launch war von einer Softwarepanne belastet. mas
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