Coca-Cola wirbt in belgischen Tageszeitungen um Vertrauen

Mittwoch, 23. Juni 1999

Erst eine Woche nach Bekanntwerden von mittlerweile über 100 Vergiftungsfällen reagiert der Coca-Cola-Konzern mit Anzeigen in 15 belgischen Zeitungen und wirbt um Vertrauen bei den Konsumenten. "Ich hätte mich früher an Sie wenden sollen und ich bedaure das", entschuldigt sich M. Douglas Ivester, Chairman und Chief Executive Officer, jetzt in der auf französisch und in flämisch übersetzten Anzeige. Seit mehr als einem Jahrhundert stehe Coca-Cola für höchste Qualität. Gesundheit und die Wahrung von Sicherheit ständen stets über geschäftlichen Belangen. Man habe, so Ivester weiter, rund um die Uhr daran gearbeitet, die Quellen, die für die Krankheitsfälle verantwortlich waren, einzugrenzen, zu sichern und sicherzustellen, daß die Coca-Cola-Produkte den gewohnten hohen Standards entsprächen. Coca-Cola hat eine Hotline eingerichtet, um sich Fragen aus der Bevölkerung stellen zu können. Als Grund für die Krankheitsfälle hatte Coca-Cola in Belgien zunächst die zugelieferte Kohlensäure angegeben. Nachdem der schwedische Lieferant Air Gas jedoch nach eigenen Angaben nachweisen kann, daß das Gas nicht verunreinigt war, machte der Coke-Konzern einen Rückzieher. Nun wird auf Produktionsfehler in den Werken in Wilrijk und Dünkirchen verwiesen. Es bleibt verwirrend. In einem "Spiegel"-Artikel hatte der belgische Gesundheitsminister Luc Van den Bossche erklärt: "Auf der Basis der Auskünfte, die Coca-Cola geliefert hat, ist es nicht möglich, die aufgetretenen Krankheitserscheinungen hinreichend zu klären." Das Verkaufsverbot für die Erfrischungsgetränke des Konzerns in Belgien und Frankreich besteht weiterhin. Allein in Belgien wurden 30 Millionen Coke-Produkte zurückgerufen. Über die Umsatzeinbußen will Coca-Cola derzeit noch keine Angaben machen. Konservativen Schätzungen zufolge betragen die Verluste mindestens 3,4 Millionen US-Dollar. Für den deutschen Markt hat das Bundesgesundheitsministerium die Verbraucher aufgefordert, bei Coca-Cola-Getränken auf die deutsche Beschriftung zu achten. Die deutschen Produkte werden hierzulande produziert und geprüft, sind demnach also einwandfrei. Auswirkungen auf den deutschen Markt kann der Konzern nach offiziellen Angaben bisher nicht abschätzen.
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