Chillout KW 42: Was diese Woche in Marketing, Agenturen und Medien passiert ist

Freitag, 19. Oktober 2012

Red Bull auf Rekordjagd. Bertelsmann übernimmt G+J doch nicht komplett. Werbekunden kritisieren Honorarmodelle. Microsoft's schlechte Pressearbeit. Fremdschämen bei Günther Jauch. Effie mit Galavorstellung. Agenturen legen auch 2012 zu. Axel Springer startet nächsten Paid-Content-Versuch. Was von KW 42 übrigbleibt bringt die HORIZONT.NET-Rubrik Chillout.

MARKETING

Red Bull: Was für ein Wochenende für den österreichischen Brausehersteller: Erst gewinnt Formel-1-Pilot Sebastian Vettel das Rennen in Korea. Dann springt Felix Baumgartner aus über 39 Kilometer Höhe auf die Erde. „Red Bull kann sich rühmen", schreibt HORIZONT-Redakteur Santiago Campillo-Lundbeck, „das wohl aufwendigste und erfolgreichste Owned-Media-Projekt aller Zeiten präsentiert zu haben". Kosten: zwischen 25 und 50 Millionen Euro. PR- und Medien-Echo: Seite 1 in „Bild", zahllose Artikel in Printtiteln, Traumquote für N-TV und den Red-Bull-Sender Servus TV. Und: 8 Millionen Menschen, die den Livestream auf Youtube verfolgten. Irgendwann, wenn die Google-Tochter mit eigenen Formaten die Reichweiten der TV-Sender eingeholt hat, wird man schreiben: Ein Österreicher, der vom Himmel fiel, bescherte Youtube erstmals bei einer Live-Übertragung mehr Reichweite als TV.


Kunde-Agentur-Beziehung: Über die diversen Honorarmodelle, mit denen Werbungtreibende ihre Agenturen bezahlen, gibt es in periodischen Abständen mal hitzige, mal vernünftige Diskussionen. Eine aktuelle HORIZONT-Studie zeigt: Nach wie vor sind die Unternehmen unzufrieden über ihrer Meinung nach zu starre Honorarmodelle. Nur mittelmäßige Noten geben Kunden ihren Agenturen in Sachen Kostenbewusstsein und Effizienzorientierung. Das passt zu der Geschichte, über die wir letzte Woche schon berichtet hatten: den teuren, aber schlechten Spot für den Golf VII.


Microsoft: Es gibt kaum ein Unternehmen von Weltrang, das in Deutschland so schlechte Pressearbeit macht wie Microsoft (Apple macht gar keine Pressearbeit, man hat es nicht nötig). Die Versuche von HORIZONT.NET-Ressortleiter Marco Saal,  Microsoft Informationen zum Launch des Surface-Tablet und der begleitenden Kampagne zu entlocken, ware ein mühsames Hinterhertelefonieren und -mailen. Note 5 für schlechte PR-Arbeit. Die Saal-Topstory ist trotzdem lesenswert.


Was sonst noch passiert ist: +++Falsche Gewinnversprechen gestoppt: Brüsseler Richter präzisieren Werbegesetz+++Smart macht wieder Spots+++DFL: Hermes wird Liga-Sponsor+++Tiefer Fall: Lance Armstrong ohne Nike

AGENTUREN

Effie: Der Effizienz- und Effektivitätspreise des Gesamtverband Kommunikationsagenturen hat wieder eine Gala, und auch wenn Conferencier Lars Reichow sich zu oft mit Neuem aus Kalau meldete (Zum Thema Essen und Trinken nach der Preisverleihung: „Wir müssen den Saal umbauen, weil dort dann der Essie serviert wird“), darf man feststellen: Der Einstand im renovierten Gesellschaftshaus im Palmengarten war insgesamt gelungen. Und Agenturen, die aus Awardmüdigkeit im nächsten Jahr keine Arbeiten mehr einsenden wollen, und Kunden, die aus Geheimniskrämerei ihre Cases nicht jurieren lassen wollen, sind selbst dran schuld.

Euro-Krise: Dass die Europäische Union dieses Jahr den Friedensnobelpreis bekommt, halten nicht nur die notorischen EU-Skeptiker in Großbritannien für einen Witz und politisch motiviertes Manöver. Fraglich, ob der Motivivationspreis dem Euro aus der Krise hilft. Vielleicht ja die Kampagne von Serviceplan.

Werbekonjunktur: Eine positive Grundeinstellung ist für Agenturleute mindestens genauso wichtig wie Fähigkeiten als Kreative oder Berater. Auch der aktuelle GWA-Herbstmonitor macht gute Stimmung. Die Agenturen rechnen für dieses Jahr mit einem Plus von 5,4 Prozent und bleiben auch weiterhin optimistisch. Die meisten Verlage können von einem solchen Plus nur träumen.


Was sonst noch passiert ist: +++Syzygy-Vorstand Frank Wolfram wechselt zu G2+++Heimat sahnt beim DMMA ab+++Plan.Net gründet Dialogagentur+++Omnicom mit Umsatzrückgang in der Euro-Zone

MEDIEN

Kachelmann: Mit der Promotion des Buches „Recht und Gerechtigkeit" mittels eines Interviews im „Spiegel" vergangener Woche fing es an, mit der Talkrunde bei Günther Jauch kulminierten am Sonntag die Kachelmann-Fremdschäm-Tage. „Wer ist nur diese hochnäsige Frau?", fragt die seltsam ratlose „Bild" am Tag drauf beim Versuch, den kaum stoppbaren Redefluß von Miriam Kachelmann in „Bild"-Deutsch zu fassen. Peinlich war indes nicht nur das Kachelmann-Paar. Den unsicheren und ahnungslosen Gastgeber Jauch kritisiert „Spiegel Online" vehement. Vor allen Dingen, weil er nicht nur Frau Kachelmann, sondern auch den „Medienvertreter" in der Runde, den ehemaligen „Bild"-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje, nicht in den Griff bekam. Der durfte unwidersprochen pöbeln, was das Zeug hält. Echt ätzend, die Angelegenheit.

Bertelsmann vs Gruner + Jahr: Als im August kolportiert wurde, dass Bertelsmann die Tochter G+J komplett übernehmen wollte, war dies auch der Anfang vom Ende des G+J-Vorstandsvorsitzenden Bernd Buchholz. Jetzt verkünden die Vertragsparteien: Es bleibt alles beim Alten.

Welt Online: Ob Paid Content den Medienhäusern hilft, ihre Investitionen und den laufenden Betrieb ihrer Online-Angebote zu refinanzieren, wird von den Medienhäusern seit dem Crash der New Economy immer wieder mal diskutiert. Manch einer probiert es sogar - mit unterschiedlichem Erfolg. Nun macht der mächtige Axel Springer Ernst. Ab Anfang 2013 müssen Nutzer für die Lektüre von Welt Online bezahlen. Weitere Titel sollen folgen.

Joko & Klaas: Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Doch dem ZDF war der (angedeutete?) Busengrabscher der beiden Derbkomiker zu derb. Auch im Netz bekamen die beiden Brachial-Kabarettisten die Ohren lang gezogen. Künftig will der Mainzer Sender den beiden strenger auf die Finger schauen. Ob's hilft?

Was sonst noch passiert ist:+++Facebook-Aktion: Sky beteiligt Fans an neuer TV-Kampagne+++Gottschalk bekommt „FAS"-Kolumne+++Bundesliga-Medienrechte: Nach dem Deal ist vor dem Deal+++Kartellrecht: Die neuen Freiheiten der Verlage vs























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