Bundesliga-Rechte: Wie die Telekom weiter am Ball bleiben will

Mittwoch, 18. April 2012
Hat Liga Total eine Zukunft?
Hat Liga Total eine Zukunft?

Nach der Pleite bei der Vergabe der Medienrechte für die Fußball-Bundesliga tritt die Telekom nun die Flucht nach vorn an. Der Bonner Konzern will zügig das Gespräch mit Sky suchen, um seinen 1,6 Millionen Entertain-Kunden auch nach 2013 Live-Bilder aus den deutschen Fußball-Stadien anbieten zu können. Bei den anstehenden Verhandlungen geht es der Telekom aber um weit mehr als nur um die IPTV-Rechte, auf deren Basis der Konzern bislang seinen Bundesliga-Sender Liga Total betreibt.
"Wir möchten mit Sky auch über weitere Verbreitungswege sprechen", kündigt ein Telekom-Sprecher gegenüber HORIZONT.NET an. Sky hatte gestern wie berichtet von der DFL den Zuschlag für die Pay-TV-Rechte über Kabel und Satellit sowie für die Rechtepakte Netcast I (IPTV) und Netcast II (Web und Mobile) erhalten. Neben den Mobilfunk-Rechten, auf deren Basis die Telekom derzeit Bundesligabilder in ihrem Mobile-TV-Angebot zeigt, dürften die Bonner vor allem an Sublizenzen für die Satelliten-Übertragung interessiert sein. Grund ist das im September 2011 gemeinsam mit Astra realisierte Angebot Entertain Sat, für das der Konzern bereits in den ersten vier Wochen rund 50.000 Kunden gewinnen konnte. Mit Live-Spielen aus der Fußball-Bundesliga könnte die Telekom Entertain Sat noch deutlich aufwerten.

Jetzt muss sich die Telekom mit Sky-Boss Brian Sullivan auseinandersetzen
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Ob Sky überhaupt bereit ist, über mehr als die IPTV-Rechte zu verhandeln, steht freilich in den Sternen. Ein Sprecher wollte dazu keine Stellung nehmen. Dass Sky aber mit der Telekom und gegebenenfalls mit dem zweiten größeren IPTV-Anbieter Vodafone in Verhandlungen treten wird, ist dagegen unstrittig. Denn mit den IPTV-Rechten kann der Pay-TV-Anbieter selbst gar nichts anfangen. Hinzu kommt, dass Sky für 4 Jahre Fußball-Bundesliga die Rekordsumme von fast 2 Milliarden Euro zahlt. Vor dem Hintergrund der nach wie vor roten Zahlen dürfte das Unternehmen wohl kaum darauf verzichten, die IPTV-Rechte zu Geld zu machen.

Selbst bei einem für die Telekom positiven Verhandlungsergebnis wäre das Überleben des Senders Liga Total aber noch nicht gesichert. Dies wäre nur dann der Fall, wenn sich Sky und Telekom über eine Sublizenz einigen. Nur bei diesem Szenario hätte die Telekom die Möglichkeit, den rückkanalfähigen Sender in seiner bisherigen Form mit Diensten wie der "persönlichen Konferenz" weiterzuführen. Sky könnte aber auch versuchen, ein Quasi-Monopol bei der Live-Berichterstattung zu errichten und seine Präsenz auf allen Kanälen zu erhöhen. Eine Einigung mit der Telekom könnte dann so aussehen, dass das Sky-Programm einfach bei Entertain eingespeist wird. Eine solche Kooperation gab es schon einmal: Bevor die Telekom im Mai 2009 die IPTV- und Mobilfunkrechte für rund 25 Millionen Euro pro Saison erstand, konnten Entertain-Kunden den Service Premiere@T-Home buchen, der vom Sky-Vorgängerunternehmen Premiere produziert wurde. Der Sender Liga Total, den derzeit etwa jeder zehnte Entertain-Kunde abonniert hat, wäre in diesen Fall Geschichte. mas
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