Bundesliga-Rechte: DFL schnürt mehrere Pay-TV-Pakete

Dienstag, 19. Juli 2011
DFL-Chef Christian Seifert feilt am Modell
DFL-Chef Christian Seifert feilt am Modell

Es klingt erstmal kompliziert: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will die Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga in unterschiedliche Spiel-Pakete aufteilen. Wenn die Liga zum Jahresende hin die Rechte für die Zeit ab 2013 ausschreibt, könnten insgesamt drei Pakete für die Bundesliga-Live-Berichterstattung zur Auswahl stehen - und das jeweils für drei unterschiedliche Übertragungswege. Macht insgesamt neun Pakete plus eines für die 2. Bundesliga. Das berichtete zuerst die „Süddeutsche Zeitung" in ihrer Dienstagsausgabe. Nach „SZ"-Informationen soll das Ganze so aussehen: Ein Basispaket A - das umfangreichste - beinhaltet das Spiel der Woche am Samstag um 18.30 Uhr, dazu die Samstagnachmittagsspiele drei bis fünf, wahlweise Spiel eins oder zwei („first pick") und das Sonntagsspiel um 17.30 Uhr sowie die Live-Konferenz. Paket B führt den „second pick", also das von Paket-A-Inhaber nicht ausgewählte Samstagsspiel und das zweite Sonntagsspiel (15.30 Uhr). Paket C fasst das Freitagsspiel und ein mögliches drittes Sonntagsspiel um 17.30 Uhr. Was eine zusätzliche Partie am Sonntag für Paket A beziehungsweise B bedeute - die ja dann ein Samstagsspiel weniger zu verteilen hätten - lässt die „SZ" allerdings offen.

Alle drei Pakete sollen für alle drei Pay-TV-Vertriebswege ausgeschrieben werden: für lineares Fernsehen (Broadcast), IPTV und Web-TV. Die zweite Bundesliga gibt es dagegen nur komplett für alle Vertriebswege (Paket D).

Die DFL will sich nicht dazu äußern. Die Verschwiegenheit dürfte auch in den sensiblen und wichtigen Gesprächen mit dem Bundeskartellamt begründet liegen - ohne das "Go" der Wettbewerbsbehörde geht wenig, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Wie die Pakete tatsächlich aussehen werden, bleibt wohl bis zur Ausschreibung - mindestens aber bis zu einer finalen Einschätzung des Kartellamts - offen.

Das ABCD-Modell ist nach Informationen von HORIZONT.NET jedoch das, mit dem die DFL im Bereich der Live-Rechte derzeit plant. Wie aus Vereinskreisen zu hören ist, geht es dabei vor allem darum, den größtmöglichen Wettbewerb zu kreieren - zu diesem Zweck wurden auch in früheren Ausschreibungen bereits mehrer Pay-TV-Pakete geschnürt. „Niemand in der Liga will dem Fußballfan ernsthaft mehrere Pay-TV-Abos für ein Produkt zumuten - auch die DFL sicher nicht", sagt ein Club-Manager.

Eine solche Paketierung würde den Wettbewerb also in erster Linie theoretisch verschärfen. Praktisch dürften sich alle Beteiligten wohl freuen, wenn Sky - aus Liga-Sicht gerne für ein paar Euro mehr - bei A, B und C zugreift. Denn das müsste der Sender, wenn er ab der Saison 2013/14 weiterhin wie bisher Bundesliga zeigen will, und zwar über die Vertriebswege Broadcast und Web-TV.

Sichert sich der Pay-TV-Anbieter zusätzlich die IPTV-Rechte, für die die Telekom mit 25 Millionen Euro pro Saison derzeit in etwa ein Zehntel der Sky-Gelder an die Liga überweist, könnte Sky sein Programm auch auf der Telekom-Plattform anbieten, sofern der magenta Konzern da mitmacht. Die Telekom betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass es ihr in erster Linie um das Infrastrukturgeschäft gehe. Dazu bräuchte es nicht zwangsläufig Bundesligabilder im eigenen Look.

Das Paket D allerdings, das die 2. Bundesliga umfasst, könnte tatsächlich für neue Bieter interessant sein. Da es nur einmal für alle Übertragungswege ausgeschrieben wird, hätte ein potenzieller Käufer die maximal mögliche Exklusivität in der Live-Berichterstattung aus dem Fußball-Unterhaus. mh
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