Bundesliga-Rechte: Bundeskartellamt gibt grünes Licht für Ausschreibung / Interessenten scharren mit den Hufen

Freitag, 13. Januar 2012
Die Clubs der Bundesliga kämpfen um die Meisterschale, die Unternehmen um Medienrechte
Die Clubs der Bundesliga kämpfen um die Meisterschale, die Unternehmen um Medienrechte


Dei Deutsche Fußball Liga (DFL) hat vom Bundeskartellamt grünes Licht für die Ausschreibung der audiovisuellen Verwertungsrechte an den Spielen der Bundesliga bekommen. Damit kann die DFL wie am 19. Dezember angekündigt im vorgesehenen Zeitrahmen die Rechte ausschreiben. Währenddessen bringen sich die Interessenten an den prestige- und ertragsträchtigen Rechtepakten in Stellung.
DFL-Chef Christian Seifert
DFL-Chef Christian Seifert
Registrieren können sich die interessierten Unternehmen bereits seit gut einem Monat. Bis zur zweiten Januarhälfte will die DFL den "Procedure Letter" - der den genauen Zeitplan sowie die Regeln des Bieterwettbewerbs enthält, den Bietern übermitteln. Bis zum 5. Mai - dem Abschluß der Saison 2011/12 - sollen die Verträge unter Dach und Fach sein. Mit der Entscheidung des Kartellamts, die Ausschreibung der Verwertungsrechte an der 1. und der 2. Bundesliga ab der Spielzeit 2013/14 auf Basis der von Ligaverband und DFL abgegebenen Verpflichtungszusagen zu genehmeigen, ist der Weg für den Bieterwettkampf frei. Auch die EU hat ihr OK gegeben. "Dies war ein großer Schritt mit Blick auf die anstehende Vergabe der Medienrechte. Die kartellrechtlichen Grundlagen der Ausschreibung sind nun klar", sagt Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung.

Derweil scharren die Interessenten mit den Hufen. Sky, das derzeit die Rechte für die Erstverwertung der Bundesliga-Begegnungen im Pay-TV hält, hat sich bereits in Stellung gebracht. Um sein Mobil-Angebot Sky Go voranzutreiben, bietet der Münchner Sender vielleicht auch für die Mobil- und Webrechte. Die liegen derzeit bei der Telekom, die zudem auch die IPTV-Rechte inne hat. Im kommenden Bieterprozess werden Mobil und Web sowie IPTV allerdings wohl getrennt ausgeschrieben. Neben Sky und der Telekom hat bereits auch Yahoo Interesse an den Web-Rechten angemeldet. Der Internetanbieter setzt auf ein mögliches Verwertungsszenario, wonach eine Zweitverwertung der Bundesliga-Bilder künftig nicht mehr zuerst in der ARD-"Sportschau", sondern im Netz stattfinden könnte.

Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme
Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme
Die Telekom ihrerseits hat kürzlich in Aussicht gestellt, die Position von Sky anzugreifen. Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme sagte gegenüber der "Financial Times Deutschland", dass der Konzern Möglichkeiten prüfe, an die Satellitenrechte der Bundesliga zu kommen. Ein solcher Deal wäre spektakulär - allerdings werden ihm wenige Chancen eingeräumt und dies aus mehreren Gründen, die aufeinander aufbauen. Die Telekom kann sich die Satellitenrechte nicht sichern, ohne auch Kabel und Terrestrik einzukaufen. Täte man dies, würde das Unternehmen - abgesehen von dem untragbaren finanziellen Aufwand - aufgrund der stark erhöhten Reichweite von einem "Narrowcaster" zu einem "Broadcaster". Und das - weil noch zu gut 30 Prozent in Staatsbesitz - darf die Telekom gar nicht. Eine entsprechende Einschätzung gab das US-Finanzinstitut Morgan Stanley ab, wie der Branchendienst "Digitalfernsehen" berichtet.

Vodafone-Manager Dhananjay Mirchandani
Vodafone-Manager Dhananjay Mirchandani
Der Telekom droht zudem seit dieser Woche von anderer Stelle Konkurrenz: Das Mobilfunkunternehmen Vodafone bestätigte gegenüber HORIZONT.NET, sich für die Bundesliga-Rechte zu interessieren. Damit will der Düsseldorfer Konzern Argumente schaffen, um sein IPTV-Angebot Vodafone TV weiter in den Markt zu drücken. "Die Nachfrage ist da. Daher ist neben einer Kooperation mit einem Rechteinhaber auch der Erwerb eines Rechtepakets eine Option, die wir ernsthaft prüfen", so Dhananjay Mirchandani, Director Home Access & Video.

Das Bundeskartellamt gab seine Zustimmung zu der Bieterrunde unter der Vorgabe, dass ein "faires, diskriminierungsfreies und transparentes Vergabeverfahren" folge. "Die zentrale Vermarktung von Medienrechten schränkt zwar den Wettbewerb zwischen den Vereinen ein. Sie bietet aber auch eine Reihe von Vorteilen und Effizienzen, da stets über die Liga als Ganzes berichtet werden kann und nicht jeder Verein einzeln über die Art und Weise der Berichterstattung über seine Spiele entscheidet", so Bundeskartellamst-Präsident Andreas Mundt. "Unsere Entscheidung zielt darauf ab, diese Vorteile zugunsten der potentiellen Käufer der Rechte und damit letzten Endes auch der Verbraucher zu sichern. Das vorgesehene Modell ermöglicht den Medien einen wettbewerblichen Zugriff auf eine Reihe von Liga-Paketen über verschiedene Verbreitungsarten und -wege. Ligaverband und DFL haben sich dem Bundeskartellamt gegenüber verpflichtet, mehrere Pakete für die Live-Übertragung von Spielen sowie für die Highlight-Berichterstattung anzubieten."
ire
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