Bundesliga-Medienrechte: DFL startet Ausschreibung

Dienstag, 20. Dezember 2011
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Monatelang wurde spekuliert, philosophiert und dramatisiert, wer zu welchen Konditionen und auf welchen Plattformen ab Saison 2013/14 die Spiele der Fußball-Bundesliga und der 2. Bundesliga zeigen darf. Nun wird's ernst. Unter www.bundesliga.de/ausschreibung2012 können sich ab sofort Unternehmen für die Abgabe eines Angebots registrieren lassen. HORIZONT.NET erläutert, worum es bei der Ausschreibung geht. 1. Die Ausgangslage. Rund 412 Millionen Euro überweisen bislang Sky, ARD, ZDF, Deutsche Telekom  und Sport 1 im Saisonschnitt an die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Ab übernächstem Jahr sollen es noch einige Millionen Euro mehr werden - so die Hoffnung der 36 Profiklubs.

2. Die Rechte-Pakete im Einzelnen. Die Etablierung einer „Web-Sportschau" hatte immer wieder zu wilden Spekulationen geführt. Dabei ist die Frage, ob und wie im Internet künftig Fußball gezeigt werden wird, nur eine von vielen, die in den kommenden Wochen beantwortet werden wird. DFL-Chef  Christian Seifert hat sich, soweit bekannt und schon publiziert worden, für ein sozusagen dreidimensionales Wettbewerbszenario entschieden: Technologie, Pakete und Verwertungsszenarien.

3. Die Live-Rechte. Die Berücksichtigung der unterschiedlichen technologischen Plattformen spielt insbesondere bei den Live-Rechten eine Rolle. Hier soll es drei Bündel geben: Broadcast (Kabel, Satellit, Terrestrik), Netcast 1 (IPTV) und Netcast 2 (Mobile und Web). Das Kalkül der DFL: Sky braucht neben Broadcast in jedem Fall auch Netcast 2, um sein Sky Go weiter anbieten zu können. Die Deutsche Telekom braucht zum Ausbau ihres Contentangebots Liga Total neben IPTV eigentlich auch die Mobile-Rechte. Doch derzeit will sich beim Magenta-Konzern niemand zur Rechtevergabe äußern. Geäußert hatte sich dagegen Sky-Chef Brian Sullivan. Im „Focus"-Interview hatte der Sky-Chef zu Protokoll gegeben: „Wir interessieren uns zunächst für alle Rechte." Sky will mehr Fußball zeigen - „und das auch mobil auf Smartphones und Tablet PCs", so die klare Ansage von Sullivan. Bei den Live-Rechten sollen drei Pakete geschnürt werden. Das erste umfasst 200 Spiele, das zweite 70 und das dritte Paket 34 Paarungen. Klar, dass der DFL ein Bieter für alle am liebsten wäre - niemand will den Fußballfans komplizierte Aufsplittungen zumuten. Zusammengenommen ergeben die drei Technologiebündel und die drei Paketbündel neun Einzelpakete. Für Wettbwerb ist gesorgt, schließlich sind auch noch diverse Kooperationen und Bietergemeinschaften denkbar.

4. Kommt die „Web-Sportschau"? TV-Geschichte könnte, wie schon geschildert die Ausschreibung der Fußball-Medienrechte mit ihren Verwertungsszenarien schreiben. Das erste Szenario entspricht, grob gesprochen, der derzeitigen Verwertungskette. Die Musik liegt im zweiten Szenario. Das sieht die Highlight-Berichterstattung nicht mehr in TV (" Sportschau"), sondern als linearen Stream ab 19 Uhr im Internet vor. Dies wäre - zur Freude von Sky - das Aus für die ARD-"Sportschau": Pay-TV würde aufgewertet. Auf den von HORIZONT veranstalteten  Deutschen Sponsoringtagen Anfang November hatte Seifert seine Pläne bekräftigt, das Alternativszenario einer Web-Highlightberichterstattung anzubieten. Dass die Möglichkeit einer Web-Sportschau der gesamt Markt durcheinander gewirbelt würde, glaubt auch Seifert nicht:  „An eine Explosion glaube auch ich nicht. Die kann aber auch keiner wollen, weil man dann hinterher die Trümmer aufsammeln muss. Wir wollen wachsen und die Medieneinnahmen in der nächsten Rechteperiode steigern, dabei streben wir aber ein nachhaltiges Wachstum an." Der Hinweis auf nachhaltiges Wachstum, die implizite Absage an eine immer wieder dramatisierte Zeitenwende bei den Fußball-Medienrechten kommt nicht von ungefähr: Ein zweites Arena will die DFL nicht mehr erleben. Musik ist, wie man so schön sagt, auch so drin.

Bestes Beispiel: Das Internetunternehmen Yahoo hatte nicht nur bei den Sponsoringtagen in Wiesbaden, sondern auch danach wiederholt bekräftigt, für die Medienrechte in den Ring zu gehen.  Man darf gespannt sein, ob Genzlinger den Worten auch Taten folgen lässt.

5. Der Zeitplan. Registrieren können sich die interessierten Unternehmen ab sofort. Bis zur zweiten Januarhälfte will die DFL den „Procedure Letter" - der den genauen Zeitplan sowie die Regeln des Bieterwettbewerbs enthält, den Bietern übermitteln. Bis zum 5. Mai - dem Abschluß der Saison 2011/12 - sollen die Verträge unter Dach und Fach sein. vs

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