Bundesbank-Präsident Weidmann: "Auch Währungen sind Marken"

Freitag, 28. September 2012
Bundesbankpräsident Jens Weidmann (Quelle:  Deutsche Bundesbank)
Bundesbankpräsident Jens Weidmann (Quelle: Deutsche Bundesbank)

Es war ein eher ungewöhnlicher Keynote-Speaker, mit dem der Markenverband auf seiner Jahrestagung in Berlin aufwarten konnte: Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, der in den vergangenen Monaten vor allem durch seine mahnende Rolle im Euro-Rettungs-Zirkus von sich reden gemacht hat. Die auf den ersten Blick irritierende Verbindung von Geldpolitik und Markenartiklern hat jedoch eine klare Klammer: Beide leben vom Vertrauen der Menschen. „Auch Währungen sind Marken“, sagte Weidmann. So steht der Dollar für den American Dream, die D-Mark für das Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg und der Euro für die europäische Integration. Doch Geld lebt allein von Vertrauen. Ohne den Glauben der Menschen daran, dass es seine Funktion als wertbewahrendes und akzeptiertes Zahlungsmittel behalten kann, ist es nichts mehr wert. In solchen Situationen mussten schon Felle, Muscheln und Zigaretten als Ersatzwährung herhalten.

„Wie bei jeder guten Marke ist Vertrauen entscheidend für den Erfolg“, so Weidmann. Der Euro ist derzeit eine stabile Währung nach innen und auch im Außenverhältnis. „Allerdings steht die größte Bewährungsprobe noch vor uns“, warnt Weidmann, der im Kreis der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit isoliert dasteht, weil er nicht müde wird, auf die Grundsstatuten der Währungsunion zu verweisen.

Diese verpflichten die Zentralbank allein auf das Ziel Geldwertstabilität. Sie ist explizit nicht dazu da, mit billigem Geld Konjunkturpolitik zu betreiben. Dass starke Staaten die Schulden schwächerer schultern müssen ist sogar explizit verboten. Um Verwerfungen zu verhindern gelten zudem die Maastricht-Kriterien in abgewandelter Form weiter. Sie verpflichten die Staaten zu maßvollem Haushalten. In den vergangenen zwei Jahren gibt es jedoch zahlreiche Bestrebungen der Politik, die EZB auch zur Stützung der Konjunktur in die Pflicht zu nehmen. „Das Vertrauen zu bewahren, ist die Aufgabe der Notenbank“, stellt Weidmann klar.

Dieses hat jedoch unter dem Rettungsaktionismus der europäischen Regierungen bereits gelitten. Die Fortschritte bei den Sparanstrengungen, vor allem in den südlichen Mitgliedstaaten, „reichen nicht aus, um das Vertrauen in die Politik zurückzuerlangen“, so Weidmann. Der Euro sei wie eine „Marke, die von 17 Unternehmen genutzt und verwaltet wird“.

„Wir dürfen über die Sorgen des Augenblicks nicht die Notwendigkeit der Zukunft aus den Augen verlieren“, appelliert Weidmann an die Zuhörer. Auch in diesem Punkt ist die Parallele zur Markenindustrie hoch, deren Mehrpreis sich häufig vor allem aus dem Renommee ihrer Marken ableitet. pap
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