Bruttowerbemarkt klettert auf knapp 18 Milliarden Euro

Donnerstag, 13. Oktober 2011
Nielsen-Chef Ludger Wibbelt
Nielsen-Chef Ludger Wibbelt

Die gute Nachricht zuerst: Der Werbemarkt hat sich trotz aller Unkenrufe in den ersten neun Monaten des Jahres positiv entwickelt. Insgesamt haben die Werbungtreibenden in Deutschland bis Ende September brutto 17,9 Milliarden Euro investiert. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 4,1 Prozent. Das gab heute Nielsen in Hamburg bekannt. Doch mittlerweile zeigen Eurokrise und das Chaos an den Finanzmärkten erste Auswirkungen. Das Wachstum im Werbemarkt verlangsamt sich. Im September legte der Markt mit 5,8 Milliarden Euro nur noch 2,6 Prozent zu. „Sowohl der August als auch der nach der Sommerpause traditionell werbestarke September waren von den Einflüssen der letzten Wochen geprägt", erklärt Nielsen-Chef Ludger Wibbelt.

Doch alleine die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nicht für die Wachstumsbremse verantwortlich. In einigen Branchen ist bereits seit Jahresbeginn eine rückläufige Tendenz zu beobachten. So verändern etwa die Molkereien ihre Werbestrategien insbesondere für probiotische Produkte und Joghurt. Hier sank der Bruttowerbedruck um 100 Millionen Euro auf 197 Millionen Euro. Noch stärker auf die Bremse gehen die Handelsorganisationen. Media-Markt, Aldi und Co haben ihre Investitionen um rund 122 Millionen Euro auf knapp 1,4 Milliarden Euro (minus 8,2 Prozent) gesenkt. Den größten Teil daran tragen die Technischen Kaufhäuser, die 69 Millionen Euro weniger ausgegeben haben. Und das könnte noch nicht das Ende sein, vermutet Wibbelt. "Der gerade erfolgte Einstieg von Saturn ins E-Commerce-Geschäft wird vermutlich weitere Veränderungen bringen. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie sich der Technikkonzern positioniert." Dass E-Commerce in den Strategien der Unternehmen eine stärkere Rolle spielt, lässt sich auch aus den Nielsen-Daten herauslesen.  Hier stieg der Werbedruck um 23,5 Prozent auf 405 Millionen Euro. Vor allem Mode-, Sport- und Campingartikelhersteller sowie Online-Tourismus sind hier die Treiber. Sie nutzen vor allem TV als Werbekanal.

Die digitale Wirtschaft ist ohnehin weiter auf Offensivkurs. Investionen in Höhe von rund 668 Millionen Euro bedeuten ein Plus von 16,7 Prozent. Neben Portalen sind es vor allem Suchmaschinen und Communities , die ihre Aktivitäten laut Nielsen deutlich erhöhen. Google zählt hier mittlerweile zu den Top-Werbern. Ähnlich wie Mode-Marken setzen die Onliner auch verstärkt auf TV-Werbung. Ihre Spendings stiegen um 58,6 Prozent auf brutto 117 Millionen Euro. Das bleibt nicht ohne Folgen. Auf Bruttobasis wächst TV weiter. Mit 7,4 Milliarden Euro legt der Kanal 2,2 Prozent zu. Ebenso legen Radio um knapp sechs Prozent und Fachzeitschriften um 3,3 Prozent zu. Selbst das Sorgenkind aus 2010, die Publikumstitel, hat eine positive Tendenz. Mit einem Plus von knapp 3 Prozent haben die Magazine bis September 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Bei den Zeitschriften zeigt sich, dass dem durch die Digitalisierung bedingten Modernisierungsdruck in den Verlagshäusern zurzeit mit erfolgreichen Strategien begegnet wird, was sich derzeit in positiven Reichweitenergebnissen und Bruttowerbeerlösen widerspiegelt", erklärt Wibbelt. Ebenso sind Kino ( plus 22,4 Prozent), Plakat (plus 15,6 Prozent) und Online (plus 21,3 Prozent) auf Kurs.

Lediglich die Tageszeitungen befinden sich bei den Mediengattungen noch im Minus. 3,7 Milliarden Euro bedeuten einen Verlust von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das muss so nicht so bleiben. Wibbelt jedenfalls ist optimistisch für den weiteren Verlauf des Jahres. „Die derzeit zu beobachtenden Veränderungen im Media-Mix und der anhaltende technische Fortschritt sorgen für spannende Themen und Herausforderungen und damit für eine interessante Ausgangslage für das vierte Quartal." mir
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