Blaue Welle: Berliner Künstlerin schneidert Kleid aus 555 Ikea-Taschen

Dienstag, 28. August 2012
Das Kleid ist noch bis zum 9. Oktober im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen
Das Kleid ist noch bis zum 9. Oktober im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen

Sie sind Kult, sie sind die greifbarste Form von Markenwerbung und jetzt sind sie auch ein Museumsstück. Im Rahmen der Austellung "Oh Plastiksack!", die noch bis zum 9. Oktober im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen ist, hat die unverwechselbare blaue Tragetasche des schwedischen Möbelhändlers Ikea einen prominenten Platz. Die Berliner Künstlerin Ida-Marie Corell hat 555 Taschen zu einem riesigen Abendkleid verarbeitet. Corell, die im vergangenen Jahr das Buch "Alltagsobjekt Plastiktüte" veröffentlicht hat, zählt auch zu den Kuratoren der Ausstellung. Das Projekt des Gewerbemuseums versteht sich als explizite Auseinandersetzung mit der Konsumtradition, für die der Plastiksack in der modernen Gesellschaft steht. "Ob Kult oder Müll, geliebt oder verpönt, er spaltet die Geister, polarisiert und spiegelt unser Konsumverhalten. Er stärkt Status und Identität, stört die Ökologie, wird liebevoll oder umweltbewusst gesammelt, erzählt Kulturgeschichte und ist aktuelles Thema in Kunst und Design," heisst es dazu im Austellungsprogramm.

Im Einzelhandel zählten die Einkaufstaschen schon im 19. Jahrhundert, lange vor Erfindung des Plastiks, zu den effektivsten Werbemedien der Händler. Dass das Konzept bis heute nichts von seiner Effektivität verloren hat, zeigt das Beispiel der Ikea-Tragetaschen, die nur durch die Markenfarben Blau und Gelb auf den Absender verweisen. Da sie allerdings besonders robust sind, werden sie von Ikea-Kunden auch gerne in ihrem normalen Alltag genutzt. Womit sie sich gegenüber der Öffentlichkeit als Ikea-Kunde zu erkennen geben und dem schwedischen Möbelhändler faktisch ein kostenloses Testimonial liefern. cam
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