Bionade-Spot stößt Transsexuellen übel auf

Montag, 13. Mai 2013
Für seine Cola spielt Bionade im TV-Spot mit traditionellen Geschlechter-Vorstellungen
Für seine Cola spielt Bionade im TV-Spot mit traditionellen Geschlechter-Vorstellungen


Dass der Einstieg von Bionade ins Cola-Geschäft unter Fans der Öko-Limo heiß diskutiert wird, war zu erwarten; dass sich Deutschlands Drag Queens an der Werbung dazu stören, kommt schon überraschender. Vor allem auf ihrer Facebook-Seite muss die zur Radeberger-Gruppe gehörende Marke verbale Prügel einstecken: Beleidigend, transphob, diskriminierend - die Liste der Vorwürfe, die Transsexuelle Bionade machen, ist lang.
Stein des Anstoßes ist die vor kurzem angelaufene TV-Kampagne für die erste Bionade-Cola. Der von Neu-Betreuer Lukas Lindemann Rosinski (LLR) in Hamburg gestaltete Auftritt inszeniert die Marke in der Theaterwelt: Protagonist ist ein Travestiekünstler, der sich nach seiner Show abschminkt. Die Botschaft, passend zur neuen Sorte und gleichzeitig ein Seitenhieb in Richtung Cola-Konkurrenz: Das Schöne an künstlichen Zutaten ist: Man kann sie auch weglassen."



Doch was ist natürlich, was nicht? Die Transgender-Gemeinde jedenfalls will sich nicht als unnatürlich abstempeln lassen. "Als Transfrau fühle ich mich aufs Übelste beleidigt! Ich werde Euer Produkt ab jetzt boykottieren und allen meinen Freundinnen und Bekannten auch dazu raten", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer meint: "Für ein angebliches alternatives Produkt einen transphoben, dragphoben Clip zu drehen, ist absolut beschämend."

Es gibt allerdings auch andere Stimmen - Kritik an den Kritikern, sozusagen. So schreibt der Verein "Aktion Transsexualität und Menschenrecht" in einem Facebook-Thread: "Wir finden, dass der Werbesspot vor allem folgendes gezeigt hat: Es gibt eine Menge Leute in Deutschland, die sich selbst fragen sollten, wie transsexuellenfeindlich sie sind: diejenigen, die den Spot kritisieren." Der Spot oute die transsexuellenfeindlichen Menschen in ihrer stereotypen Weltanschauung, die Transsexualität mit Travestie verwechseln. "Das sind diejenigen, die glauben, dass eine abgeschminkte transsexuelle Frau ein Mann sei und sich deswegen nun echauffieren."

Bionade jedenfalls hat auf die Vielzahl kritischer Stimmen reagiert und ein umfangreiches Statement zum TV-Spot abgegeben. Unter der Überschrift "Diskriminierung? Ohne uns!" heißt es darin unter anderem: "Wir hoffen, dass sich all diejenigen, die sich gerade so an dem Spot reiben (...), uns noch einmal die Chance geben, sich die Bilder wirklich in Ruhe anzusehen: Wir zeigen eine wunderbar glitzernde Welt, die Welt des Varietés -und einen Menschen, der sich in eine Rolle begibt, und diese irgendwann wieder ablegt. Und wir lassen die Wahl, was besser gefällt."

Auch die Kampagnenmacher von LLR melden sich auf Facebook zu Wort: "Liebe Dragqueens, wir lieben Euch - aber künstliche Wimpern wachsen nun mal nicht ganz natürlich! Mehr wollen wir gar nicht sagen!" mh


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