Billig-Wahn: Wie sich Media-Markt und Redcoon gegenseitig die Butter vom Brot nehmen

Montag, 07. Januar 2013
Preisoffensive: Media-Markt attackiert den Onlinehandel, auch wenn er aus dem eigenen Haus kommt
Preisoffensive: Media-Markt attackiert den Onlinehandel, auch wenn er aus dem eigenen Haus kommt

"So viel billig gab´s noch nie" - selten war an einem Werbeslogan so viel dran wie an dem von Redcoon - zumindest wenn es um die Kommunikationsstrategie des Mutterkonzerns Media Saturn geht. Dessen Vertriebslinien werfen zurzeit mit Schnäppchen jedenfalls nur so um sich. Dass sich dabei vor allem Media-Markt und Redcoon kommunikativ in die Quere kommen, wird scheinbar billigend in Kauf genommen.
Schnäppchen im Wochenrhythmus - so läutet Media Saturn bislang das Jahr 2013 ein. Während die "Nimm 3, zahl 2"-Aktion von Saturn bereits am vergangenen Wochenende auslief, dreht die Konzernschwester Media-Markt jetzt erst richtig auf und setzt die zu Jahresbeginn gestartete Preis-Kampagne noch bis Ende Januar fort. Nachdem vorige Woche noch TV-Geräte im Mittelpunkt standen, sind diese Woche Notebooks, Tablets und Smartphones dran. Weitere Spots zu zusätzlichen Produktkategorien sind bereits in Planung.

"Wir sind billiger"
, lautet der plakative Slogan in den von Ogilvy & Mather, Frankfurt, entwickelten TV-Spots, die Universal McCann derzeit auf allen großen Privatsendern sowie in der ARD schaltet. Wer das schwarz auf weiß haben will, muss nur ins Internet gehen. Auf dem Preisvergleichsportal Idealo.de sollen sich Verbraucher vom  Wahrheitsgehalt dieser Botschaft überzeugen können, sagt ein Sprecher aus  dem Off.

Dass sich Media-Markt mit der Kampagne bei dem 2011 von der Media Saturn Holding übernommenen Online-Händler Redcoon beliebt macht, ist sehr unwahrscheinlich. Zwar ist  Redcoon-Marketingchefin Andrea Civan sichtlich bemüht, erst gar keine Zweifel am Konzernfrieden innerhalb der Media Saturn Holding aufkommen zu lassen und betont, dass Redcoon die Offensive von Media-Markt "sportlich" sehe und dass Wettbewerb schließlich das Geschäft belebe.

Tatsächlich dürfte Redcoon von der jüngsten Media-Markt-Kampagne jedoch alles andere als begeistert sein. Grund: Media-Markt verspricht in dem Spot etwas bis dato sehr Ungewöhnliches - nämlich sogar in seinen stationären Filialen billiger zu sein als die Online-Konkurrenz. Damit stellt Media-Markt nicht nur mal eben einen der wichtigsten USPs des Onlinehandels - die günstigeren Preise gegenüber stationären Läden - in Frage. Der Konzern untergräbt auch die millionenschwere Werbeoffensive von Redcoon, das sich seit Mitte November mit kreativer Unterstützung von Serviceplan Campaign und den "billigsten Mädchen Deutschlands" als Preisführer positionieren will.

Dass sich Media-Markt und Redcoon in die Quere kommen, ist kein Wunder. "Werbekampagnen der einzelnen Vertriebslinien werden grundsätzlich nicht untereinander abgestimmt, da diese jeweils unabhängig am Markt agieren", sagt eine Media-Saturn-Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET. Dass sich die Elektronik-Ketten Media-Markt, Saturn und Redcoon dabei auch gegenseitig Konkurrenz machen, sei bei der Dreimarken-Strategie auch so gewollt, so die Sprecherin weiter.

Ob sich Media Saturn damit einen Gefallen tut, ist allerdings fraglich. Denn wenn gleich mehrere Vertriebslinien aus dem eigenen Haus die Preisführerschaft für sich beanspruchen, dann leidet neben der Glaubwürdigkeit der einzelnen Werbeaussagen letztlich vor allem eines: Die Marge des Gesamtkonzerns, der sich - und die gesamte Branche - ohne Not in einen Preiskampf manövriert, der an die einst von Saturn begründete "Geiz ist Geil"-Ära erinnert. Oder wie es Redcoon-Marketingchefin Andrea Civan ausdrückt: "Letzten Endes profitiert der Kunde".  mas
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