Big Spender Amazon: Warum der Online-Händler erstmals massiv TV-Spots schaltet

Freitag, 25. November 2011
Die Anzeigen werden in Magazinen sowie Wochen- und Tageszeitungen geschaltet
Die Anzeigen werden in Magazinen sowie Wochen- und Tageszeitungen geschaltet

Als Werbungtreibender ist Amazon in Deutschland bislang kaum in Erscheinung getreten. Abgesehen von einer Handvoll billig gemachter Commercials für DVD- und CD-Neuerscheinungen hat der US-amerikanische Onlinehändler hierzulande noch keine nennenswerten Spuren in den Werbeblöcken hinterlassen. Das scheint sich jetzt dramatisch zu ändern. Für den E-Reader Kindle ist eine massive Kampagne angelaufen, die neben Printanzeigen auch erstmals einen kreativ ansprechenden TV-Spot beinhaltet. HORIZONT.NET präsentiert die Kampagne und beleuchtet die Hintergründe.


Bei der Kampagne für den E-Reader Kindle dürfte es sich um die mit Abstand größte handeln, die Amazon jemals in Deutschland gefahren hat. Das Unternehmen hält sich zwar wie immer bedeckt und äußert sich zu dem Thema trotz mehrfacher Anfrage bislang nicht. Die Daten, die HORIZONT.NET vorliegen, sprechen aber eine eindeutige Sprache. Danach hat Amazon in nur der Zeit vom 14. bis 27. November brutto mehr als 2,3 Millionen Euro in seine TV-Kampagne investiert. Der 30-sekündige TV-Spot, der dem Vernehmen nach von der Agentur Workhorse entwickelt wurde und noch bis 19. Dezember ausgestrahlt wird, ist derzeit täglich auf allen reichweitenstarken Sendern wie RTL, Vox, Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und RTL 2, auf den Nachrichtenkanälen N24 und N-TV sowie auf den Spartensendern Dmax und Sport 1 zu sehen.

Wie bemerkenswert diese Millionen-Investition innerhalb von knapp zwei Wochen ist, zeigt eine Sonderauswertung des Hamburger Medien- und Werbeforschungsunternehmens Nielsen für HORIZONT.NET. Danach sind die TV-Spendings von Amazon in den vergangenen 10 Jahren fast zu vernachlässigen. In den Jahren 2001 bis 2006 gab Amazon in Deutschland fast überhaupt kein Geld für TV-Werbung aus. Lediglich für das Jahr 2003 weist Nielsen einen Betrag von 300.000 Euro brutto aus. Die Ausgaben in den Jahren 2007 (70.000 Euro) und 2008 (40.000 Euro) sind ebenfalls kaum der Rede Wert. Erwähnenswert sind lediglich die Jahre 2009 und 2010, als Amazon jeweils etwas mehr als 400.000 Euro in das Medium TV steckte. Mit der aktuellen Werbeoffensive für das Kindle sind diese vereinzelten TV-Schaltungen allerdings nicht zu vergleichen.

Für Aufmerksamkeit sorgt Amazon derzeit aber längst nicht nur im TV. Auch in den Printmedien macht der Online-Händler mächtig Druck. Die Anzeigen, auf denen neben dem Kindle auch gleich das passende Geschenkpapier für Weihnachten zu sehen ist, werden unter anderem in reichweitenstarken Magazinen wie "Spiegel", "Focus", "Stern", "Bunte" und "Für Sie" geschaltet. Außerdem wird der Kindle in den Wochenzeitungen "Zeit", "Bild am Sonntag", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "Welt am Sonntag" und den Tageszeitungen "Süddeutsche Zeitung", "FAZ", "Handelsblatt" und "Welt" beworben.

-
-
Dass Amazon den Werbemotor in Deutschland ausgerechnet jetzt anwirft, hat natürlich vor allem etwas mit dem traditionell wichtigen Weihnachtsgeschäft zu tun. Der Onlinehändler, der seit Oktober erstmals einen Kindle mit deutscher Menüführung für nur 99 Euro anbietet, will mit der Werbeoffensive dafür sorgen, dass der nach eigenen Angaben "bislang leichteste, schnellste und günstigste Kindle aller Zeiten" zum Renner unter dem Weihnachtsbaum wird.  

Darüber hinaus dürfte es Amazon aber auch darum gehen, den Kindle gegen die stetig anwachsende Zahl der Konkurrenzprodukte zu verteidigen. So hat Google kürzlich einen eigenen E-Reader gelauncht, der allerdings bislang nur in den USA erhältlich ist. In Deutschland hat sich unter anderem Weltbild zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber entwickelt. Gemeinsam mit Partner Hugendubel hat das Unternehmen im Oktober einen E-Reader zum Schnäppchenpreis von nur 60 Euro auf den Markt gebracht. Bislang ist Amazon mit seinem Kindle allerdings klarer Marktführer. Laut Digitimes kommt Amazon bei E-Readern im Jahr 2011 auf einen weltweiten Marktanteil von 73 Prozent (siehe Chart.) Der Launch des Kindle Fire dürfte für weitere Impulse sorgen. mas
Meist gelesen
stats