Benq Mobile kippt Weihnachtskampagne

Donnerstag, 05. Oktober 2006

Bereits wenige Tage nach dem Insolvenzantrag fährt der Münchner Handyhersteller Benq Mobile seine Marketingaktivitäten spürbar herunter. Laut Peter Hoffmann, Senior Director bei der zuständigen Mediaagentur OMD in Hamburg, wurden die für das Weihnachtsgeschäft geplanten Kampagnen wieder storniert. "Angesichts der aktuellen Situation ist es nur sinnvoll, zusätzliche Kosten zu vermeiden", so Hoffmann. Davon betroffen ist auch die Leadagentur TBWA Deutschland in Berlin, die bereits neue Anzeigen entwickelt hat, die wohl nie geschaltet werden. Fraglich ist zudem, ob Benq Mobile an seiner jährlich rund 25 Millionen Euro teuren Partnerschaft mit Real Madrid festhalten wird. Die Handymarke ist seit dieser Saison Sponsor des Clubs. "Das hat derzeit wenig Priorität", sagt Konzernsprecher Stefan Müller. Eine Entscheidung soll in circa zwei Wochen fallen.

In die Debatte um die Zukunft der rund 3000 betroffenen Benq-Mobile-Angestellten hat sich unterdessen auch deren früherer Arbeitgeber, der Münchner Siemens-Konzern, eingeschaltet. Angesichts der wachsenden Kritik ergreift der Konzern derzeit konkrete Maßnahmen, um einen bleibenden Imageschaden abzuwenden. So wird Siemens, das sein defizitäres Handygeschäft 2005 an den taiwanesischen Benq-Konzern abgegeben hatte, einen 35 Millionen Euro schweren Fonds einrichten, um die betroffenen Angestellten zu unterstützen.

Mit der Hilfsaktion versucht sich Siemens gegen heftige Attacken vonseiten der Gewerkschaften und der Politik zu wehren. Diese argwöhnen, Siemens habe seine Handysparte nur an Benq abgegeben, um die Kosten einer Pleite von sich selbst abzuwenden. Begründet wird der Vorwurf damit, dass Siemens dem neuen Eigner sogar noch einen dreistelligen Millionenbetrag mit auf den Weg gegeben hatte, um die Sparte endlich loszuwerden. "Alle Behauptungen, wir hätten die Insolvenz billigend in Kauf genommen, sind eine ungeheure Verleumdung", wehrt sich nun Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Der Verkauf sei gegenüber einer Schließung deutlich teurer gewesen. mas



Meist gelesen
stats