Bahn und Telekom schieben sich den Schwarzen Peter zu

Dienstag, 19. Februar 2002

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin wirft der Deutschen Bahn und der Telekom "Abzocke" vor. Stein des Anstoßes ist ein Plakatmotiv, auf dem die Deutsche Telekom mit dem Slogan "Die schnelle Vermittlung zur Bahnauskunft" für die direkte Weiterschaltung von der Telekom-Auskunft 11883 zur Bahnauskunft wirbt. Aus Sicht des VZBZ agiert die Telekom wettbewerbswidrig, weil die Anrufer für die Weitervermittlung einen zehnfach höheren Preis bezahlen, als wenn sie direkt bei der Bahn anrufen würden.

Die Telekom will sich dem Willen der Verbraucherschützer laut Telekom-Sprecher Frank Domagala nicht beugen und die Plakate weiter schalten: "Die Verbraucher haben doch die Wahl. Sie werden bei der Auskunft auf den Vermittlungstarif hingewiesen und sie können selbst bei der Bahn anrufen."

Das sehen die Verbraucherschützer anders: In Tests der VZBZ in der vergangenen Woche sei der Preis für die Dienstleistung von den Telekom-Auskunftsmitarbeitern nicht angesagt worden, so VZBZ-Sprecher Christian Fronczak. Daraufhin habe die Verbraucherzentrale eine Unterlassungserklärung an Bahn und Telekom geschickt, mit der Aufforderung, auf die Plakate zu verzichten. Sollten beide Unternehmen diese nicht bis zum 25. Februar unterschreiben, will der VZBZ eine Unterlassungsklage anstrengen.

Die Bahn wiederum fühlt sich von der Verbraucherschützern völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt und hat keinerlei Verständnis für die drohende Post aus Berlin. "Wir haben mit den Plakaten nichts zu tun und die Telekom hat uns versichert, dass der Preis genannt wird", begründet Personenverkehr-Sprecher Gunnar Meyer die Haltung. Telekom-Sprecher Domagala will die Sicht der Deutschen Bahn nicht weiter kommentieren. "Das ist interessant. Die Bahnauskunft ist schließlich ein Angebot der Bahn, nicht der Telekom".
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