Bahn-Werbung verärgert Bundesregierung

Donnerstag, 31. Mai 2001

Ärger gibt es offenbar mit der Werbung der Deutschen Bahn - und zwar mit der überaus textlastigen Informationskampagne, die der Schienenriese erst Ende März gestartet hatte. Nach Informationen des "Handelsblatt" wird die Bahn den Auftritt "so schnell wie möglich stoppen". Ein Bahn-Sprecher dementiert gegenüber HORIZONT: Die Kampagne werde wie geplant zunächst bis zur Sommerpause weiterlaufen.

Konkret: Es geht um zwei der bislang fast zehn unterschiedlichen Motive, nicht um die gesamte Kampagne (Agentur: Citigate SEA, Düsseldorf). Die beiden umstrittenen Anzeigen seien laut Bahn "wie im Mediaplan vorgesehen abgearbeitet worden" und daher sowieso nicht mehr zur Schaltung vorgesehen. Plangemäß kommen nun die anderen und noch neue Motive zum Einsatz, so das Unternehmen.

Hinter dem Streit steckt ein Politikum, denn in den beiden Anzeigen kamen Kritiker einer organisatorischen Trennung zwischen Schienennetz und Bahnbetrieb zu Wort. Und da gehen die Meinungen sogar in der Top-Etage der Bahn weit auseinander: Vorstandschef Mehdorn wehrt sich mit allen Mitteln - unter anderem eben mit besagten Anzeigen - gegen eine Herauslösung des Netzes aus seinem Unternehmen, während der neue Aufsichtsrat-Vorsitzende, Preussag-Chef Michael Frenzel, und Verkehrsminister Kurt Bodewig auf ein unabhängiges Schienennetz dringen, um möglichen Bahn-Konkurrenten den Netzzugang zu erleichtern. Laut "Handelsblatt" haben sich nun Frenzel und die verärgerte Bundesregierung bei der Staats-AG durchgesetzt.

Die aktuelle Informationskampagne der Deutschen Bahn hat den preisgekrönten provokanten Imageauftritt gegen den Autoverkehr (Agentur: Jung v. Matt, Hamburg) abgelöst - nach Angaben der Bahn aber nur vorübergehend. Damit hatte das Unternehmen auf die als immer größer empfundene Kluft zwischen dem Anspruch der selbstbewussten Imagekampagne einerseits und der tristen Bahn-Wirklichkeit andererseits reagiert. Nun stehen erst einmal Sachthemen wie Subventionen, Pünktlichkeit, Technik und Innovationen im Vordergrund.

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