BP wird im Web für Passivität bestraft

Donnerstag, 17. Juni 2010
Die Web-Community nimmt BP auf die Schippe
Die Web-Community nimmt BP auf die Schippe

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist für den Mineralölkonzern BP auch ein Desaster in Sachen Krisenkommunikation. Der Versuch, das negative Echo durch Nichtbeachtung zu stoppen, darf als gescheitert gelten. Der Konzern hat das Gegenteil erreicht. Diesen Schluss erlaubt das WebAnalyzer Monitoring von Interactive Labs in Augsburg, das HORIZONT exklusiv vorliegt. Lange hat BP versucht, das Echo im Web über die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko zu ignorieren. Dann versuchte der Konzern, mit dem Kauf von Suchbegriffen bei Google und Co, das Unternehmen wieder in ein besseres Licht zu rücken. Geholfen hat das alles nicht. Im Gegenteil: Im Social Web stieg das Buzz Volume tendenziell sogar an.

Beispielsweise zeigt das Buzz Volume, quasi der Geräuschpegel der Wortmeldungen im Web, rund um die Begriffe BP und Ölpest ein verstärktes Diskussionsaufkommen am 12. und 14. Juni 2010 im Vergleich zum restlichen Monat. Damals gab es unter anderem massive Kritik von Seiten der US-Regierung an BP - samt entsprechender Resonanz im Web.

Für den Buzz ist insbesondere der Microblogging-Dienst Twitter von zentraler Bedeutung. Twitter alleine können in dem Zeitraum 837 Beiträge für die Keyword-Kombination BP und Ölpest zugeordnet werden. Nach der Zahl der Nennungen erscheint Twitter damit als Haupteinflussnehmer. Mit Blick auf die „Authority“, also der Anzahl an Inbound Links, spielt Twitter sogar noch eine weitaus wichtigere Rolle in Sachen Einflussnahme.

Inbound Links sind Links auf eine Webseite, die von einer anderen Domain kommen. Sie sind für die Suchmaschinenoptimierung von großer Bedeutung, da sie ein Indikator für die Popularität einer Website sind.

Der Versuch von BP, die Berichterstattung über die Katastrophe zu blockieren, um Negativschlagzeilen zu vermeiden oder mit eigenen Inhalten entgegenzusteuern, macht deshalb wenig Sinn. Zumal die Untersuchung zeigt, dass sich Tweets je nach Absender innerhalb kürzester Zeit großflächig verbreiten können.

„BP mangelt es an einem strategisch angesetzten Reputationsmanagement. Die offiziellen Informationen zurückzuhalten, war und ist in diesem Fall genau der falsche Weg und hat dem Konzern zusätzlich geschadet“, bewertet Interactivelabs-Gründer Thorsten A. Gropp die Ergebnisse. Besser für das eigene Image wäre eine offensive Kommunikation. Gropp: „BP könnte durch aktives Community-Management und eine aktive Beteiligung an der Online-Diskussion rund um das Thema zumindest Aufklärungsarbeit leisten und somit seinen Ruf in dieser Hinsicht maßgeblich verbessern.“ ork
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