BBL-Geschäftsführer Jan Pommer: "Wir wollen die stärkste Liga Europas werden"

von Ingo Rentz
Freitag, 15. Juni 2012
Jan Pommer (Foto: Beko BBL / wolterfoto.de)
Jan Pommer (Foto: Beko BBL / wolterfoto.de)

Der deutsche Basketball ist im Aufwind: Nicht nur vermeldet die Beko Basketball Bundesliga für die vergangene Saison einen Zuschauerrekord. Die Liga wird außerdem eine neue Bestmarke bei den Einnahmen aufstellen. Rückenwind gibt zudem die Studie "Sponsor Visions 2012" im Auftrag des Fachverbands Sponsoring, laut der der deutsche Basketball hinter König Fußball die zweitbeliebteste Sportart der Sportsponsoren ist. Grund genug für Beko-BBL-Geschäftsführer Jan Pommer, mutig in die Zukunft zu blicken und ehrgeizige Ziele zu formulieren. Wie zufrieden sind Sie mit der abgelaufenen Saison? In sportlicher Hinsicht war das bislang die beste Saison in der Beko Basketball Bundesliga: Wir haben mit Würzburg und München zwei hervorragende Aufsteiger erlebt, die Spiele waren durchweg spannend und auf hohem Niveau. Mit insgesamt 1,46 Millionen Zuschauern haben wir außerdem einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt. Die Auslastungsquote in den Arenen von über 85 Prozent ist ebenfalls ein Ausweis der Attraktivität der Liga.

Und wie sieht es mit der wirtschaftlichen Seite aus?
Viele Vereine haben zahlreiche neue Sponsoren gewonnen, außerdem erwarten wir eine Steigerung der Liga-Gesamteinnahmen auf über 70 Millionen Euro, was ebenfalls eine neue Bestmarke darstellt.

Was sind die Hauptgründe für das Wachstum? An dieser Entwicklung haben alle gleichermaßen mitgearbeitet: Vereine, Sponsoren und die Liga. Gemeinsam haben wir dafür gesorgt, Basketball in Deutschland als atmosphärisch dichte, spannende und coole Sportart zu präsentieren. Und nicht zuletzt wirtschaften unsere Vereine sehr vernünftig.

Was auf Kosten von Top-Transfers geht, die die Attraktivität der Liga doch erhöhen könnten. Womöglich. Aber das nehmen wir in Kauf, wenn dadurch die Wirtschaftlichkeit der Vereine gewahrt bleibt. Wir haben europaweit das ambitionierteste und strengste Lizenzierungsverfahren, das wollen wir auch konsequent anwenden.

Ein Faktor dürfte sicherlich auch sein, dass mit dem FC Bayern München eine starke Marke mit enormer Zugkraft in der Liga vertreten ist. Sehen Sie ein der Basketball Bundesliga ein ähnliches „Bayern-Phänomen“ wie bei den Fußballern? Um das abschließend beurteilen zu können, ist es noch etwas zu früh. Immerhin hat Bayern München gerade die erste Saison abgeschlossen. Dass der Club die Liga sehr stark bereichert, lässt sich aber in jedem Fall konstatieren: Der FC Bayern hat überall Fans, da dieser Verein niemanden kalt lässt – ob Basketball-Fan oder nicht.

Mit der Plattform BBL.tv will die Liga ihre Digital-Strategie vorantreiben
Mit der Plattform BBL.tv will die Liga ihre Digital-Strategie vorantreiben
Eine breite Berichterstattung über den deutschen Basketball findet dennoch fast nur auf Sport 1 statt. Was die mediale Berichterstattung angeht, haben wir sicherlich noch Luft nach oben. Allerdings werden wir unsere TV-Werbeträgerkontakte im Vergleich zur vergangenen Saison signifikant steigern und die Zwei-Milliarden-Grenze deutlich übertreffen. Dieses prognostizierte Ergebnis zeigt, dass die Liga stärker in den Fokus der Berichterstattung gerückt ist. Diese so wichtige Kennziffer freut uns zunächst einmal. Jedoch werden wir auch in Zukunft hart dafür arbeiten, dass die Sendeanstalten nicht darum herumkommen, über die Liga zu berichten.

Und gehen Sie dabei auf Sport 1 zu oder eher auf die Öffentlich-Rechtlichen, die ja ihr Geld am liebsten für Fußball ausgeben? Ich bin der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr tun könnten, etwa durch stärkere Berichterstattung in den dritten Programmen oder der Sportschau. Bezüglich der Spielplangestaltung haben wir uns in der Vergangenheit sehr flexibel gezeigt – und wir sind dabei, dieses Thema engagiert mit den Kollegen vom Handball und Eishockey anzugehen: Unser Ziel ist es, durch die Abstimmung der jeweiligen Spielpläne den Öffentlich-Rechtlichen jedes Wochenende Top-Begegnungen anbieten zu können.

Was kann die Beko BBL noch tun, um ihre Reichweite zu erhöhen? Wir investieren insbesondere in digitale Kanäle. Wir haben im März dieses Jahres eine eigene Bewegtbildplattform an den Start gebracht, auf der Videos aller Erstligisten zur Verfügung stehen. Auf Beko-BBL.TV finden sich etwa Spiel-Highlights und Interviews. Wir glauben, dass wir unsere Zielgruppe mit diesem Angebot optimal erreichen und auf ihr Informationsbedürfnis eingehen. Die ersten Resultate sind jedenfalls sehr vielversprechend.

Was sind die weiteren Zukunftspläne der Liga? Wir wollen bis 2020 die stärkste Liga in Europa werden. Dafür müssen wir weiter flexibel, kreativ und dienstleistungsorientiert sein. Wir verfolgen konsequent einen Business-Plan, der uns bis 2020 an die Spitze der europäischen Ligen führen soll. Dies betrifft sowohl die sportliche Qualität als auch die Zuschauerzahlen und Budgets. Der Plan sieht unter anderem vor, unsere Präsenz in den Medien zu erhöhen und unsere Digitalangebote weiter auszubauen. ire
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