Autowerbung: BUND bläst zur Offensive gegen Hersteller

Mittwoch, 25. Juni 2008
Printanzeige für VW BlueMotion
Printanzeige für VW BlueMotion

Der Umweltverband BUND, Berlin, hat bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen verschiedene deutsche Autobauer eingereicht. Der Grund: Auf einigen Anzeigen der Hersteller VW, Mercedes-Benz, Opel, Ford und BMW fehlen Angaben zu Spritverbrauch und CO2-Emissionen der beworbenen Modelle. Zeitgleich reichten Umweltschützer auch in Belgien, Frankreich, Polen, Slowenien, Italien und Spanien ähnliche Beschwerden ein. Der BUND sieht in den Anzeigen, die er auch auf seiner Website zeigt, einen Verstoß gegen die EU-Richtlinie 1999/94/EG. Die Verordnung schreibt Angaben zu Emissionen und Verbrauch auch in der Printwerbung vor. "Diese Autohersteller ignorieren eindeutige rechtliche Vorgaben der Europäischen Union und des deutschen Rechts zur Verbraucherinformation", behauptet der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Printmotiv für den Ford Focus
Printmotiv für den Ford Focus
Was der Verband jedoch verschweigt: Die Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht sieht Ausnahmen vor, die Hersteller von der Pflicht entbinden, derartige Angaben zu machen. Wird für eine Marke oder ein Modell geworben , "ohne dass Angaben zur Motorisierung, zum Beispiel zu Motorleistung, Hubraum oder Beschleunigung, gemacht werden, so ist eine Angabe der Verbrauchs- und CO2-Werte nicht erforderlich", heißt es dazu in der deutschen Verordnung.

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) in Berlin reagiert deshalb verwundert auf den Vorstoß des BUND in Richtung Brüssel. "Für einen heimischen Hersteller ist maßgeblich, was der deutsche Gesetzgeber vorschreibt", sagt ZAW-Sprecher Volker Nickel.

Beobachter gehen jedoch davon aus, dass es dem Umweltverband auch darum geht, in Brüssel für die anstehende Überarbeitung der EU-Richtlinie 1999/94/EG Stimmung zu machen. Die EU-Kommission will bis November einen Entwurf vorlegen, der die Angabe von Emissions- und Verbrauchsdaten in der Werbung neu regelt. Verlage und Autohersteller fürchten, sie könnten künftig gezwungen sein, großflächige Effzienzlabel nach dem Vorbild von Küchengeräten in der Werbung abzubilden.
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