Autobauer arbeiten an Vorschlag zu EU-Werbekodex

Donnerstag, 01. November 2007
So könnte Autowerbung künftig aussehen, wenn es nach dem EU-Parlament geht
So könnte Autowerbung künftig aussehen, wenn es nach dem EU-Parlament geht

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sucht mit der Europäischen Kommission nach einem Kompromiss im Streit um verschärfte Vorschriften für die Pkw-Werbung. Der Verband arbeitet derzeit an einem Konzept für einen freiwilligen Werbekodex, den Brüssel im Frühjahr erstmals von den Herstellern gefordert hatte. "Wir sind im Prinzip zu solch einer Regelung bereit", heißt es dazu aus dem Brüsseler Büro des VDA. Ein denkbarer Vorschlag: Ein geplantes Label-System im Ampel-Stil, das die Verbrauchseffizienz von Fahrzeugen bewertet, könnte auch in der Werbung verwendet werden. Die EU will mehr: Sportlichkeit und Dynamik sollen aus Pkw-Kampagnen verschwinden, an ihrer Stelle möchte die Kommission "nachhaltige Verbrauchsmuster" in den Auftritten gefördert sehen.

Erst in der vergangenen Woche hatte das EU-Parlament den politischen Druck auf die Autoindustrie in Sachen CO2-Ausstoß und Werbebeschränkungen massiv erhöht. Die Parlamentarier segneten ein Papier ab, das drastische Forderungen stellt: Mindestens 20 Prozent der Werbefläche für Neuwagen in Anzeigen, Broschüren und Handel sollen für Daten über Verbrauch und Emissionen reserviert sein. Den vorgeschlagenen Werbekodex wollen die Abgeordneten verbindlich machen - und in seinem Rahmen "irreführende umweltschutzbezogene Werbeaussagen" verbieten.

Bei den Verbänden von Verlegern,

Auto- und Werbeindustrie lassen diese Pläne Alarmglocken schrillen. "Wir nehmen die jüngst im EU-Parlament geäußerten Ideen sehr ernst", sagt ein Sprecher des Kölner Autobauers Ford, der aber im Detail nicht zu den Forderungen der Abgeordneten Stellung nehmen will.

Deutlich wird hingegen VW-Marketingchef Jochen Sengpiehl. Um sich langfristig von asiatischen und amerikanischen Wettbewerbern differenzieren zu können, brauchen die Hersteller kreativen und inhaltlichen Freiraum in ihrer Werbung, kritisiert Sengpiehl. "Niemand will Produkte kaufen, die langweilig und mit endlosen Hinweisparagraphen versehen beworben werden", so der Marketer weiter.

Die Verlage treibt indes der drohende Attraktivitätsverlust der Printwerbung um - und damit ein möglicher Umsatzeinbruch, den gerade Auto-Titel zu befürchten hätten. "Warnhinweise in der geplanten Größe von 20 Prozent auf einer Anzeige könnten alle diejenigen Hersteller abschrecken, die sich nicht hauptsächlich über Kleinwagen mit niedrigem Verbrauch positionieren", sagt Jörg Plathner, Geschäftsbereichsleiter Automobil bei der Motor Presse Stuttgart. jh



Meist gelesen
stats