Aus Marke wird Kunst: Schlecker-Filiale wird in Berlin ausgestellt

Montag, 08. Oktober 2012
Was von Schlecker übrig blieb: Installation in der Berliner Galerie Crone
Was von Schlecker übrig blieb: Installation in der Berliner Galerie Crone

Gut fünf Monate sind seit der Einleitung der Schleckerinsolvenz mittlerweile vergangen. Zehntausende Mitarbeiter haben seitdem ihre Stellen verloren. Doch immer noch wird kontrovers diskutiert, welche Lehren aus dem rasanten Untergang des Handelsunternehmens zu ziehen sind. Einen ganz eigenen Beitrag zu dieser Diskussion liefert ein Künstlertrio aus Berlin, das eine Schleckerfiliale als Installation zu neuem Leben erweckt. Mitten im Szeneviertel Kreuzberg kann man in der Ausstellung „Leck" der Berliner Galerie Crone durch das begehbare Schlecker-Kunstwerk von Anna Jandt, Jenny Kropp und Alberta Niemann schlendern. Die Installation besteht aus den Regalen einer ehemaligen Filiale sowie deren Einkaufswagen und Kasse. Auch wenn die blauen Schlecker-Logos fehlen, sei das Ambiente immer noch unverwechswelbar, glaubt Galeriedirektorin Polina Stroganova: „Die Markenverweise sind überall herausgenommen worden, aber natürlich findet man Schlecker in dem Kunstwerk wieder. Wir alle sind schon einmal durch eine Filiale gelaufen und erkennen sie."

Doch anders als die früher notorisch vollgestellten Schlecker-Drogeriemärkte sind die Regale des Kunstprojekts leer. Das nackte Inventar soll widerspiegeln, was von der Marke Schlecker heute noch bleibt. Das Kassenband läuft dabei unermüdlich ins Leere, ohne dass Produkte darauf verkauft würden. Auch der Titel der Ausstellung "Leck" soll als Bruchstück des Markennamens Schlecker nicht nur Symbol der Spurensuche sein, sondern Assoziationen zu einem Schiffunglück liefern. „Es ist ein Verweis auf das Leck im Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das Unternehmen wie Schlecker während der Weltwirtschaftskrise schon zum Sinken brachte", erklärt Stroganova.

Die Metapher des untergegangenen Prunkschiffs der deutschen Marktwirtschaft kommt offensichtlich auch beim Publikum an. Ähnlich wie die Ausstellung der Fundstücke des Luxusdampfers Titanic, haben sich die Relikte des Schlecker-Untergangs zum echten Publikumsmagneten entwickelt. Aufgrund des großen Interesses wurde die Ausstellung vom 20. Oktober auf den 8. Dezember 2012 verlängert. hor
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