Auch das F-Wort ist dabei: Werberat spricht drei Rügen aus

Donnerstag, 15. September 2011
Der Partyschnaps "Ficken" erregte auch die Aufmerksamkeit des Werberates
Der Partyschnaps "Ficken" erregte auch die Aufmerksamkeit des Werberates


Der deutsche Werberat hat im ersten Halbjahr nach Beschwerden von Verbrauchern 191 Werbemaßnahmen überprüft. Das Gremium nahm davon 114 Fälle genauer unter die Lupe. Insgesamt, so die Bilanz, zeigte sich die Mehrzahl der werbungtreibenden Unternehmen einsichtig und reagierte auf die Beanstandungen. Dennoch sah sich der Werberat zu drei Rügen gezwungen - eine davon bekommt durch ein gerade ergangenes Gerichtsurteil einen pikanten Beigeschmack. Neben dem TV- Sender NBC wegen eines blutrünstigen Plakats für den Kanal 13th Street und dem Handelsunternehmen Manhattan Spirits wegen eines Likörs namens "Vögeln" kritisierten die 13 Mitglieder des Werberates die EFAG Trademark Company für den Partyschnaps "Ficken". Dessen Hersteller kämpften lange um die Eintragung des Namens in das deutsche Markenregister - nun bekamen sie Recht: Das deutsche Bundespatentgericht erlaubte dem schwäbischen Hersteller die Verwendung von "Ficken" als Marke.

Der Werberat bleibe jedoch grundsätzlich bei seiner Kritik, bestätigte Sprecher Volker Nickel gegenüber HORIZONT.NET: Der Produktname sei zwar durch das Urteil des Bundespatentgerichts wohl nicht mehr aus der Werbung des Unternehmens zur verdrängen. "Wir bringen dennoch unsere Auffassung weiter vor, dass der Markenname gegen unsere Werberegeln verstößt", so Nickel.

Dies sind die "härtesten" Fälle aus dem Halbjahresbericht. Weitere 31 Unternehmen stellten nach der Beanstandung die kritisierten Werbemaßnahmen ein, weitere fünf änderten ihr Werbesujet. 75 Kampagnen sprach der Werberat frei. 77 Fälle behandelte das Gremium gesondert, da es sich in diesen nicht um Wirtschaftswerbung handelte oder der Fall wegen eines vermuteten Rechtsverstoßes an zuständige Stellen weitergeleitet wurde. Die Mehrzahl der beanstandeten Kampagnen entstammt dem Fernsehen (27), dahinter folgen Plakat (22), Internet und Anzeigen in Zeitungen (10).

Zentrales Beschwerdemotiv der Verbraucher war im ersten Halbjahr 2011 Diskriminierung. In fast der Hälfte aller kritisierten Kampagnen unterstellten die Beschwerdeführer die verletzende Darstellung von Männern, Frauen oder Personengruppen. Hingegen war die Verletzung religiöser Gefühle in den ersten sechs Monaten 2011 kein Thema: "Offensichtlich sind die Unternehmen bei ihrer Markt-Kommunikation dort besonders sensibilisiert", vermutet der Werberat. ire
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