Apple lässt jetzt Martin Scorcese mit Siri schäkern

Dienstag, 24. Juli 2012
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Die Rolle ist Martin Scorcese auf den Leib geschrieben: Ein weltberühmter Regisseur, der auf dem Weg zur nächsten Verpflichtung mit seiner Assistentin den Terminplan durchgeht. Und doch ist er nicht der Star in dem neuen Apple-Spot. Die Hauptrolle hat ganz unbestritten Apples stimmengesteuerte iPhone-Feature Siri, das sich den hohen Ansprüchen des temperamentvollen Künstlers mehr als gewachsen zeigt. Mit dem aktuellen Spot setzt Apples Stammagentur TBWA Media Arts Lab die Testimonial-Serie fort, bei der schon John Malkovich, Zooe Dechanel und Samuel L. Jackson für das innovative Feature des iPhone 4S warben. Die Kampagne stellt in der Werbegeschichte der Marke eine echte Premiere dar, da Apple hier zum ersten Mal mit klassischen Prominenten-Testimonials arbeitet.

Schon in der Vergangenheit waren in Spots wie "Think different" Prominente erschienen, allerdings hatte die Marke hier die Verbindung zu besonders herausragenden Menschen aus Wissenschaft, Politik, Sport und Kunst wie Einstein, Ghandi und John Lennon gesucht. Einen vergleichbaren Status als Vorkämpfer ihrer eigenen Disziplin kann keiner der aktuell eingesetzten Testimonials für sich reklamieren.

Apples Strategie, sein iPhone vor allem über das Feature Siri zu vermarkten ist allerdings nicht ohne Risiken. Zwar zeigt sich einerseits, dass Siri bei den Kunden als äußerst relevanter Kaufgrund gesehen wird. Allerdings ist Siri auch nach Apples Einschätzung immer noch in seiner Betaphase und hat im Praxisbetrieb bei vielen Nutzern Probleme deren Akzent korrekt zu erkennen. Das führte sogar dazu, dass im März dieses Jahres ein enttäuschter Kunde wegen irreführender Werbung gegen Apple klagte.

Die Enttäuschung der Nutzer könnte in Zukunft sogar noch wachsen. Derzeit wird unter Apple-Beobachtern darüber spekuliert, ob Siri derzeit sogar dümmer wird. Ihrer Theorie nach könnte der große Publikumserfolg des Systems dafür gesorgt haben, dass die Rechenleistung für einzelne Anfragen auf für die cloudbasierte Unterstützung von Siri verantwortlichen Rechnern des Unternehmens gedrosselt wurde. Das würde dazu führen, dass das Programm bei komplexeren Anfragen schneller ausgibt als in der Vergangenheit.

Sollte Apple tatsächlich ernsthaft mit ungelösten Aspekten der technischen Lösung langfristig zu kämpfen haben, wäre das für die Marke fatal. Denn der Mythos von Apple lebt wesentlich davon, dass die Kunden Produkte mit effektiver Usability und bewährter Zuverlässigkeit erhalten. Hier konnte sich Apple immer spürbar gegen Microsoft abgrenzen, dessen Software traditionell mehr von Programm-Bugs geplagt war. cam
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