Apple-Hype: Was Freenet-Chef Vilanek mit der Übernahme von Gravis bezweckt

Mittwoch, 19. Dezember 2012
Mobilcom-Debitel macht sich bald in den Gravis-Läden breit
Mobilcom-Debitel macht sich bald in den Gravis-Läden breit


Vor zwei Wochen erst verkaufte Freenet seinen Online-Vermarkter freeXmedia und die Spieleplattform 4Players an Dirk Stöers Beteiligungsgesellschaft Media Ventures. Jetzt ist klar, was der Hamburger Telekommunikationskonzern mit den Erlösen aus dieser Portfoliobereinigung vor hat. Sofern die Kartellbehörden grünes Licht geben, wird Freenet mit Gravis den größten Apple-Händler in Deutschland übernehmen. Wie Konzernchef Christoph Vilanek gegenüber HORIZONT.NET erläutert, soll von dem Deal vor allem die Freenet-Marke Mobilcom-Debitel profitieren. Die bundesweit 300 Shops des Mobilfunk-Service-Providers sollen dank der Lifestyle-Produkte von Apple noch attraktiver werden. Die Marke Gravis will er allerdings nicht antasten.
Freenet-CEO Christoph Vilanek
Freenet-CEO Christoph Vilanek
"Apple hat ein gutes Image in Deutschland", weiß Freenet-CEO Christoph Vilanek - und liefert damit gleichzeitig die Beweggründe für die Übernahme der Handelskette mit dem grünen Logo, mit der Freenet bereits seit Oktober 2011 eine Vermarktungskooperation unterhält. Gravis ist für Apple-Fans eine der besten Adressen: Mit seinen bundesweit 28 Shops und einem Marktanteil von rund 14 Prozent im deutschen Apple-Retail-Markt ist das 1988 gegründete Unternehmen der größte Servicepartner des kalifornischen Konzerns in Deutschland - und der einzige, der bundesweit vertreten ist. Zudem verfügt Gravis über ein signifikantes Online-Geschäft.

Wieviel sich Freenet die Übernahme kosten lässt, ist unklar. "Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart", heißt es bei Freenet und Gravis lapidar. Allerdings dürfte der Zukauf kein Schnäppchen gewesen sein. Nach HORIZONT.NET-Informationen hat Gravis in Deutschland bereits im Jahr 2011 einen Umsatz von 161 Millionen Euro erzielt. In diesem Jahr dürfte der Umsatz weiter gestiegen sein: Neue Apple-Produkte wie das iPhone 5 und das iPad Mini sorgten auch vor den Gravis-Stores für lange Schlangen.

Der iPad-Mini-Launch sorgte auch vor den Gravis-Läden für lange Schlangen
Der iPad-Mini-Launch sorgte auch vor den Gravis-Läden für lange Schlangen
Vilanek hält das Geld aber für gut angelegt. Vor allem der Verkauf von Apple-Produkten in den Filialen von Mobilcom-Debitel soll das Unternehmen voranbringen. Gleichzeitig will Vilanek die Digital-Lifestyle-Produkte von Freenet aus den Bereichen Energie, Mobilfunkdienste und Service in den Gravis-Vertrieb einbinden, um auf diese Weise Synergien zu erzielen.

Die Übernahme von Gravis hat aus Sicht von Vilanek gegenüber der bisherigen Kooperation entscheidende Vorteile. Zwar habe sich die vor einem Jahr vereinbarte Vertriebszusammenarbeit konzeptionell als richtig erwiesen. Auch hätten beide Unternehmen in der Wahrnehmung der Kunden von der Kooperation profitiert. "Eine schnellere Expansion wird aber durch den Koop-Vertrag nicht optimal vorangetrieben. Wir werden vorhandene Verbesserungspotenziale jetzt voll ausschöpfen können", glaubt Vilanek, der nun vor allem auf eine Steigerung der Postpaid-Verträge, der Zubehörumsätze und auf eine weitere Profilierung der jeweiligen Shops in Richtung Digital-Lifestyle hofft.

An den Marken soll sich nach der Übernahme nichts ändern. Vilanek hält Gravis genau wie Mobilcom-Debitel und Freenet jeweils für starke und am Markt verankerte Marken mit einem eigenständigen und klar umrissenen Profil. "Es gibt keinen Anlass zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas daran zu verändern", so Vilanek. mas
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