"Am Ende zählt die Vielfalt": Interview mit Microsoft-CEO Steve Ballmer

Donnerstag, 15. Oktober 2009
Steve Ballmer (2.v.r.) im Gespräch mit Bloggern (links: Olaf Kolbrück)
Steve Ballmer (2.v.r.) im Gespräch mit Bloggern (links: Olaf Kolbrück)

"Sie haben auch die teuersten Geräte", lästert Microsoft-Boss Steve Ballmer über Apple in einer exklusiven Blogger-Runde mit dem HORIZONT-Blog Off-the-record. Zum Start von Windows 7 kündigt er in dem Gespräch zudem eine kontinuierliche Marketing-Kampagne rund um das Thema Windows-PC an. Eine Absage gab es bei dem Gespräch am Rande der Vorstellung von Windows 7 in München auch: Den Multimedia-Player Zune HD will Ballmer als Hardware nicht Deutschland anbieten. Wahrscheinlich sind Sie selbst der beste Werber für Windows 7. Dennoch die Frage: Wird es auch eine Marketing-Kampagne zu Windows7 geben, nachdem bereits einige virale Spots zum neuen Betriebssystem im Web kursierten?
Wir haben viele Jahre lang kein Marketing für Windows betrieben. Zum Start von Win 95 gab es dann eine Reihe von Werbemaßnahmen. Im vergangenen Jahr haben wir uns für eine generelle Marketingkampagne entschieden. Es geht nicht um konkrete Produkte, sondern um den Windows-PC. Es wird definitiv eine kontinuierliche Marketing-Kampagne rund um das Thema geben, die wir an die einzelnen Länder anpassen werden. Denken Sie dafür beispielsweise an die Kampagne „I’m a PC – proud of it“. Das werden wir für Windows 7 aktualisieren.

Exklusiv für Printabonnenten

Exklusiv für Printabonnenten
Mehr zum Thema lesen Sie in Off-the-record.de und der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 42/2009.

HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren


Welchen Einfluss wird Windows 7 auf die IT-Industrie und den PC-Markt haben?

Es ist ein Motivationsschub für den Markt. Ich mache aber keine finanziellen Vorhersagen, keine Prognose, ob es zu mehr Investitionen führt oder nur zu mehr Begeisterung. Eine Vorhersage für den PC-Markt ist beinahe so, als sollte man eine Aussage zur Entwicklung der Wirtschaftslage wagen.

Apple hat gerade das Betriebsystem OS X Snow Leopard herausgebracht,. Nun folgt Microsoft mit Windows 7. Was denken sie über Apple?
Es geht nur zum Teil um einen Wettbewerb der Betriebssysteme. Es geht in weiten Teilen um PCs gegen Mac. Und es geht in weiten Teilen um Businessmodell gegen Businessmodell. Die Schlüsselfrage ist daher nicht: Wer hat das bessere Betriebssystem? Natürlich wir. Aber am Ende des Tages zählt vor allem die Vielfalt der Hardware, die Hersteller, die Kosten der Hardware, der Support für Unternehmen. Sie können natürlich behaupten, Apple habe die cooleren Geräte. Aber sie haben auch die teuersten Geräte. Einen Mac bekommen sie außerdem nicht in allen Handelsketten. Das passt nicht zu ihrem Distributionsmodell. Gerade aber hier in Deutschland sind solche Distributionskanäle sehr wichtig.

Weiterlesen


Windows 7 wirkt wie eine bessere Version von Vista. Warum haben sie also so viel Zeit damit verbracht?

Ohne Windows Vista wäre Windows 7 niemals so gut wie es heute ist. Es profitiert davon, dass wir immer besser verstehen, was der Kunde wünscht. Jetzt denken wir schon wieder intensiv darüber nach, was nach Windows 7 kommt.

Was sind die nächsten Ziele und Projekte?
Es gibt eine Menge guter Ideen, was in Zukunft getan werden muss. Wir wollen Office 2010 fertigstellen und veröffentlichen. Wir haben gerade Windows Phone gestartet. Und es ist klar, dass wir noch mehr Kombinationsmöglichkeiten zwischen Windows Phone und Windows PC bieten möchten. Windows Live ist ebenfalls von wachsender Bedeutung. Die Nutzer sehen es gegenwärtig vor allem als Lösung für Hotmail und Messenger. Aber wir wollen es zu einem wesentlichen Dienst ausbauen, der das Windows-Erlebnis komplettiert. Im kommenden Jahr gibt es zudem einen größeren Xbox-Release rund um das Projekt Natal. Was mich am meisten elektrisiert, ist die Frage, wie wir Windows in die Lage versetzen, das TV zu steuern. Das Fernsehen als großer Bildschirm für TV und Internet. Dafür braucht es keine neue Windows-Version, wir müssen dafür mit den Hardware-Jungs zusammenarbeiten.

Stichwort Pläne: Microsoft hatte Zune HD einst auch für Deutschland angekündigt. Wo bleibt der Player?
Man muss Zune von zwei Seiten sehen. Es ist ein Service und es ist ein Stück Hardware. Als Plattform-Service wird es Zune auch in Europa geben. Wir wollen es zu einem Teil von Windows Live und Windows Phone machen. Das bedeutet nicht, dass es Zune in Europa als Hardware-Produkt geben wird. Der Musicplayer-Markt ist nicht sehr groß. Da müssen wir nicht in Wettbewerb treten. Aber die Software und das Zune-Erlebnis sollen sich definitiv auf dem PC, auf Windows Phone und dem TV wiederfinden.

Interview: Olaf Kolbrück (off-the-record.de), Sebastian Kuhbach (winfuture.de), Stephan Walcher (prometeo.de)
Meist gelesen
stats