"Ätsch, Piraten" Wie PR-Experte Hasso Mansfeld der FDP auf die Sprünge helfen will

Donnerstag, 02. Februar 2012
Täuschend echt - und doch nur montiert: Hasso Mansfelds Plakatkampagne für die FDP
Täuschend echt - und doch nur montiert: Hasso Mansfelds Plakatkampagne für die FDP


Der FDP droht die politische Bedeutungslosigkeit: Meinungsumfragen und Wahlprognosen prognostizieren den Liberalen dunkle Zeiten. Diese Hiobsbotschaften haben nun ein eifriges Parteimitglied zu einem radikalen Schritt bewegt. Für das Saarland, wo jüngst die Koalition aus CDU, FDP und Grünen gescheitert ist, startete der Kommunikationsexperte Hasso Mansfeld eine Internet-Kampagne mit täuschend echten Fotomontagen. Tenor: Wir sind frei, alle anderen sind links.
"Dies ist die erste Wahlkampf-Kampagne, die komplett im Netz entstanden ist. Ätsch, Piraten!", jubelt Mansfeld im Gespräch mit HORIZONT.NET. Eine genuine Web-Kampagne habe nicht einmal die Piraten-Partei zustande bekommen, die sich als Vorreiter in Sachen Internet geriere. Das Motto des Kommunikationsauftritts: Liberté - Freiheit. Eigentlich der Markenkern der FDP. Den vermissen jedoch nicht nur die Bürger, auch Mansfeld sieht die Identät der Partei durch den Schlinger-Kurs seit der Bundestagswahl 2009 geschädigt. Die Kampagne soll deswegen frischen Wind für die am 25. März anstehende Landtagswahl im Saarland geben.

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld
Zunächst erinnern die Motive an jene aus zahlreichen Wahlkämpfen bekannten Plakate der FDP: Sie sind gelb und blau, und in einer Ecke prangt das Partei-Logo. Zustande gekommen sind die Motive jedoch auf reichlich unkonventionellem Wege: Bei einem Tischgespräch mit der Kommunalpolitikerin Nathalie Zimmer und dem Saarländer Landesvorsitzenden Oliver Luksic kam Mansfeld die Idee, das Alleinstellungsmerkmal der FDP dieser Tage herauszuarbeiten: "Die Kampagne soll aussagen, dass im Saarland alle Parteien außer der FDP links sind", so Mansfeld. Und wen könnte man dabei aus seiner Sicht besser ins Schussfeld nehmen als Oskar Lafontaine, einst Landesvater des Saarlands und heute stramm linker Genosse? Der Claim "Liberté statt Lafontaine" war geboren - einerseits eine Reminiszenz an die berühmte CDU-Parole "Freiheit statt Sozialismus" aus dem Wahlkampf 1976. Zum anderen soll die Botschaft ausdrücken, dass sich die deutsche Parteienlandschaft zu sehr eingeebnet hat. Bald werden Teile der Kampagne tatsächlich im Saarland zu sehen sein: Die Landespartei hat bereits ihr OK gegeben.

Mansfeld, im Hauptberuf Kommunikationsberater für nationale und internationale Unternehmen, setzte bei der Kampagne bewusst auf die Eigendynamik des Social Web: "Ich habe diese Fotomontage erstellt, sie auf Facebook gepostet und dann einfach die Reaktionen abgewartet. Die Kampagne hat dann sehr schnell eine eigene Dynamik entwickelt und viel positives Feedback hervorgebracht." Allerdings habe es auch einige FDP-Hasser gegeben, die die Motive zum Nachteil der Partei verändert hätten. Denen ist der PR-Experte jedoch besonders dankbar: "Das Plagiat ist die höchste Form des Lobes!"

Dass die Bundespartei und ihre Landesverbände seit der Bundestagswahl 2009 einen unvergleichlichen Niedergang erlebt haben, hat der Marke FDP schwer geschadet, wie Marketingexperten in einer HORIZONT.NET-Umfrage festgestellt haben. Mansfeld jedoch hat eine Lösung parat, um die FDP als Marke wieder positiv zu besetzen: "Die FDP hat ihren liberalen Kern verraten. Damit die Partei als Marke wieder positiv besetzt wird, muss jedes FDP-Mitglied und vor allem die Mandatsträger und Amtsinhaber ein persönliches, starkes Bekenntnis zum Liberalismus liefern! Wer mit dem Herzen bei der Sache ist, muss das auch laut äußern. Wer das nicht tut, hat in dieser Partei nichts zu suchen!" ire
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