35 Millionen on top: United Internet erhöht Werbeetat für Auslandskampagne

Dienstag, 16. August 2011
Vorstandschef Ralph Dommermuth greift im Ausland an
Vorstandschef Ralph Dommermuth greift im Ausland an

United Internet will verstärkt außerhalb Deutschlands wachsen. Die Muttergesellschaft von Marken wie 1&1, Web.de, Gmx und Sedo bereitet eine massive Werbekampagne in den USA, Großbritannien, Spanien, Polen und Österreich vor. Vorstandschef Ralph Dommermuth hat ambitionierte Ziele: Mit der Kommunikationsoffensive will er die Marke 1&1 auch im Ausland als Lösungsanbieter für kleinere Firmen positionieren und die Bekanntheit des Internet- und Mobilfunkanbieters deutlich erhöhen. "In unsere Kampagne investieren wir allein im 2. Halbjahr rund 35 Millionen Euro", kündigte Dommermuth auf der heutigen Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Frankfurt an. Die Aufstockung des Etats im Ausland hat offenbar keine negativen Auswirkungen auf Deutschland: "Die 35 Millionen Euro werden wir zusätzlich investieren", erklärt Finanzvorstand Norbert Lang auf Anfrage von HORIZONT.NET. Der Marketingetat für Deutschland werde nicht angetastet. Laut Nielsen investierte United Internet von Januar bis Ende Juli 2011 brutto bereits 98,5 Millionen Euro in Werbung, im vergangenen Jahr summierten sich die Spendings auf knapp 150 Millionen Euro.

Im Mittelpunkt der Werbeoffensive steht die sogenannte Do-it-Yourself-Homepage von 1&1. Die Hamburger Kreativagentur Jung von Matt/Elbe hat bereits TV-Spots, Anzeigen und Online-Werbemittel entwickelt, die nun für die einzelnen Märkte adaptiert werden. Die Planung und den Mediaeinkauf übernimmt die Frankfurter Agentur Mindshare aus der Group M.

Für die Website zum Selberbasteln läuft auch in Deutschland seit einigen Monaten eine massive Werbekampagne - und das nicht ohne Erfolg. "In Deutschland gewinnen wir derzeit jeden Monat rund 8000 Neukunden netto", erklärt Dommermuth gegenüber HORIZONT.NET. Die ebenfalls von Jung von Matt/Elbe entwickelten Commercials sind hierzulande auf zahlreichen Privatsendern und der ARD zu sehen.

Die überzeugende Bilanz der Do-it-Yourself-Homepage in Deutschland ist der wichtigste Grund, warum United Internet nun im Ausland in die Offensive geht. "Dieses Produkt ist für uns nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern erzielt auch noch wundervolle Margen. Das ist eine Chance, die wir nutzen müssen", begründet Finanzchef Lang die zusätzlichen Investitionen. Dafür nimmt das Unternehmen sogar einen geringeren Gewinn im Geschäftsbereich Applications in Kauf. Bereits im 1. Halbjahr war das EBITDA in diesem Segment wegen der massiven Werbeinvestitionen in Deutschland um 6,3 Prozent auf 111,4 Millionen Euro gesunken. Laut Lang wird die Auslandsoffensive die Bilanz auch im 2. Halbjahr belasten.

Anzeigenmotiv für die Do-it-Yourself-Homepage
Anzeigenmotiv für die Do-it-Yourself-Homepage
Dass der Finanzer diese bittere Pille schluckt ist kein Wunder, denn an der Internationalisierung führt für United Internet kein Weg vorbei. Laut Dommermuth sieht der Konzern in Deutschland vor allem im mobilen Internet nach wie vor große Wachstumschancen. Doch der Geschäftsbereich Applikationen - neben der Do-it-Yourself-Homepage bietet United Internet hier unter anderem Hostingdienstleistungen und Domains an - stößt hierzulande inzwischen an seine Grenzen. "Die größten Wachstumschancen liegen im Ausland", erklärt Dommermuth.

Gleichwohl konnte United Internet im 1. Halbjahr 2011 aber auch im Kernmarkt Deutschland noch ordentlich zulegen. So stieg die Zahl der Kundenverträge um 7,6 Prozent auf insgesamt 10,16 Millionen an. Der Umsatz kletterte um 8,4 Prozent auf knapp 1,01 Milliarden Euro - und durchbrach damit erstmals in einem Halbjahr die Milliardengrenze. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 10,4 Prozent auf 200,9 Millionen Euro zu. Auch die Aussichten sind rosig: Finanzchef Lang sagt für das Gesamtjahr erstmals einen Umsatz von über 2 Milliarden Euro voraus. mas
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