100 Tage Lebensmittelklarheit.de: Des einen Freud, des anderen Leid

Mittwoch, 26. Oktober 2011
Lebensmittelklarheit.de ist Ende Juli an den Start gegangen
Lebensmittelklarheit.de ist Ende Juli an den Start gegangen


Morgen wird Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner vor der versammelten Hauptstadtpresse eine erste Bilanz des Internetportals Lebensmittelkalrheit.de ziehen. Die Website besteht morgen seit genau hundert Tagen. In dieser Zeit ist es zur Anlaufstelle für wütende und verunsicherte Bürger geworden - und treibt der Lebensmittelindustrie nach wie vor die Zörnesröte ins Antlitz.
Auf der Internetseite können Verbraucher Lebensmittel beanstanden, von deren Verpackung oder Inhaltsangaben sie sich getäuscht sehen. Und die Bundesbürger machen seit dem Start von Lebensmittelklarheit.de im Juli dieses Jahres auch ordentlich Gebrauch von dem Portal: Die "Welt" zitiert heute einen Ministeriumssprecher, laut dem jede Woche bis zu 200 neue Meldungen von Verbrauchern hinzukommen. Deswegen stockt der Bund, der zu den Förderern des Portals gehört, das Budget um satte 200.000 Euro auf 975.000 Euro auf.

Dass Lebensmittelklarheit.de so stark frequentiert werde, ist für den Ministeriumssprecher ein klares Signal dafür, dass bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln ein großer Diskussionsbedarf bestehe. Die Verbraucher sehen das ähnlich: laut einer repräsentativen Umfrage der Kommunikationsagentur Klenk & Hoursch unter 3000 Arbeitnehmern halten 91 Prozent der Konsumenten Transparenz in der Lebensmittelbranche für wichtig bis sehr wichtig. 

Dabei interessieren sich 83 Prozent der Befragten eine transparente Kommunikation zu Inhaltsstoffen, dahinter folgen Produktrisiken (82 Prozent) und Produktionsbedingungen (76 Prozent) sowie Umweltschutzbemühungen des Unternehmens (76 Prozent). Beteiligungsverhältnisse sowie Gewinn und Umsatz sind für die Verbraucher hingegen weniger wichtig.

Für diese Bedürfnisse der Konsumenten hat der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) durchaus Verständnis - auf Lebensmittelklarheit.de sei dieser Auftrag jedoch mangelhaft umgesetzt, kritisiert Hauptgeschäftsführer Matthias Horst. Auf der Seite finde eine unbotmäßige Vermischung von Meinung mit Fakten statt, zudem fänden sich eine erhebliche Anzahl an tendenziösen und diskreditierenden Überschriften. "Schon die Unterscheidung der Rubriken 'Getäuscht?' und 'Erlaubt!' suggeriert, dass die im Bereich 'Getäuscht?' genannten Produkte rechtswidrig sind. Genau das Gegenteil ist aber der Fall, die dort aufgeführten Produkte sind lebensmittelrechtlich korrekt gekennzeichnet und werden trotzdem mit dem Vorwurf einer gefühlten Täuschung belegt. Die befürchteten Folgen einer Benachteiligung im Wettbewerb und einer Pranger-Wirkung des Portals haben sich insoweit bestätigt", schimpft Horst.
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