Marco Saal

Marco Saal

Werbeflop Expert - oder wie man eine Kampagne völlig in den Sand setzt

Freitag, 05. Januar 2018
Expert hat es hierzulande ja nicht gerade leicht. Zwar ist das Langenhagener Unternehmen mit insgesamt 432 Standorten inzwischen zweitgrößter Elektronikfachhändler in Deutschland. Doch der Kampf mit dem unumstrittenen Platzhirschen Media-Saturn erinnert bisweilen doch stark an den zwischen David und Goliath. Da sollte dann aus Marketingsicht wenigstens die Werbung sitzen. Tut sie aber nicht, wie die neue Markenkampagne von Expert zeigt. Bei dem von Saint Elmo's entwickelten Auftritt ist die Markenbotschaft am Ende genauso verschwommen wie die Gesichter der Darsteller.

Wer dem von Regisseur Michael Wong und Film Deluxe produzierten 30-Sekünder dieser Tage im TV-Werbeblock begegnet ist, wird sich vorgekommen sein wie im falschen Film. Das fängt schon beim Hauptdarsteller an, der x-beliebiger gar nicht sein könnte und der in den 30 Sekunden nichts, aber auch gar nichts tut oder sagt, was auch nur ansatzweise etwas mit Consumer Electronics im Allgemeinen oder Expert im Speziellen zu tun hat. OLED-Fernseher, Smartphones, Konsolen, Smart Home? Fehlanzeige! Stattdessen werden die Zuschauer Zeuge eines 08/15-Alltags, der - so suggeriert es unter anderem die Musik - offenbar vor allem eines ist - nämlich sehr trist.  Gut, könnte man sagen, Thema verfehlt, hat es ja schon öfter mal gegeben. Doch dann ist da noch diese Sache mit den Gesichtern, die bei allen Darstellern in dem TV-Spot seltsam verschwommen sind. Mit ganz viel Wohlwollen könnte man den Machern zugute halten, dass dieses obendrein schlecht umgesetzte optische Stilmittel die Tristesse, die ein Leben ohne Expert offenbar so mit sich bringt (?!), noch stärker hervorheben soll. Doch den Realitätstest vorm Fernseher wird dieser Spot ganz sicher nicht bestehen. Wenn man ehrlich ist, lassen einen die verschwommenen Gesichter am ehesten an Werbung für eine Optikerkette denken - aber ganz sicher nicht an Expert. 

Dass dann kurz vor Schluss noch Mehmet Scholl durchs Bild läuft, darf man wohl als verzweifelten Versuch interpretieren, doch noch jenseits des am Ende eingeblendeten Logos etwas für die Wiedererkennung der Marke zu tun. Doch selbst das prominente Testimonial kann nichts daran ändern, dass dieser Werbefilm verkorkst ist. Hätte nicht kurz zuvor die Blondine vom Expert-Plakat dem Hauptdarsteller verschmitzt zugezwinkert, hätte der auch bei Dacia unter Vertrag stehende Scholl genauso gut in seinen Duster steigen und einfach davonbrausen können.

"Eine gute Empfehlung ist so einzigartig wie der Mensch, für den sie ist", sagt in dem Commercial der Sprecher aus dem Off. Expert sollte sich daran erinnern, dass gute Werbung vor allem eines leisten muss - nämlich glaubwürdig kommunizieren, wofür die Marke steht, und wie genau sie dem Kunden bei der Lösung seiner persönlichen Probleme weiterhelfen kann. mas
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