Marco Saal

Marco Saal

Volvo-Kampagne mit Ibrahimović Wenn Marken für Testimonials werben - und nicht umgekehrt

Dienstag, 31. Mai 2016
Sportliche Großereignisse wie die Fußball-EM wirken sich auf vieles aus - sie sind gern gesehene Impulsgeber für die weltweite Konjunktur, kurbeln insbesondere den Werbemarkt an und sie stellen die TV- und Freizeitgewohnheiten der Menschen völlig auf den Kopf. Auch das Marketing spielt bisweilen verrückt. Es gibt Unternehmen, die offenbar glauben, in EM- und WM-Zeiten mit einem prominenten Fußballer werben zu MÜSSEN. Auf Teufel komm raus. Bisweilen wird dabei sogar das Wichtigste vergessen - die eigene Marke.
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Volvo Zlatan Ibrahimovic Testimonial Fußball-EM


Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert dieser Tage Volvo. Knapp zwei Wochen bevor die Nationalteams von Frankreich und Rumänien am 10. Juni in Paris das Eröffnungsspiel der Fußball-EM bestreiten, hat der schwedische Autobauer seine Kampagne mit Zlatan Ibrahimović gestartet. Der von Forsman & Bodenfors in Stockholm entwickelte und gestern veröffentlichte Werbefilm "Prologue" ist schon deshalb bemerkenswert, weil die Marke Volvo in dem gut drei Minuten langen Streifen so gut wie gar nicht vorkommt. Was für einen Werbefilm des Volvo-Konzerns, der in der letzten Konsequenz Autos verkaufen will, ja doch ziemlich seltsam anmutet.  Der düstere Spot kommt vielmehr als Ego-Show des Zlatan Ibrahimović daher, die sich der ohne Zweifel begnadete Fußballer selber auch nicht besser hätte ausdenken können. Der Stürmer des französischen Erstligisten Paris Saint-Germain darf sich in dem Werbefilm ausgiebig als toller Hecht präsentieren und seinen gestählten Körper in die Kamera halten. Sogar eine Art Best-of seiner ohne Zweifel beeindruckenden Tore bekommen die Zuschauer zu sehen - nebst seiner Lebensgeschichte, die viel damit zu tun hat, dass er nicht mit dem Strom geschwommen ist - und seinen eigenen Weg als eine Art Fußball-Rebell gegangen ist.

Dass Ibrahimović damit gut gefahren ist, soll hier gar nicht bezweifelt werden. Was allerdings das Ganze nun mit Volvo zu tun hat, bleibt völlig unklar. Will Volvo denn auch als Marke wahrgenommen werden, die für Andersartigkeit und Rebellentum steht? Die gegen den Strom schwimmt und so die Konkurrenz abhängt? Wenn ja, wäre das eine ziemlich gute Markengeschichte gewesen. Aber leider wird diese in dem Film nicht erzählt. Denn in dem geht es einfach nur um Ibrahimović - den Sohn einer kroatischen Mutter und eines bosnischen Vaters, die irgendwann wahrscheinlich rein zufällig ihr Glück in Schweden gesucht haben und deren Sohn auch nur deshalb in der schwedischen Nationalelf gelandet ist. Das - und die Sequenz am Ende des Commercials, als Ibrahimović in einem kaum zu erkennenden Volvo V90 in eine Tiefgarage fährt - ist die einzige Verbindung, die zwischen dem Fußballstar und der Marke hergestellt wird. Und das ist eindeutig zu wenig. mas
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