Spießer Alfons

Spießer Alfons

Spießer Alfons Wo der Durst nach Nonsens gestillt wird

Donnerstag, 14. Juli 2016
Out of Home hat Alfons fünf Anschläge auf den Konsumenten entdeckt, die der Fragen würdig, also fragwürdig sind. In allen Fällen geht es um Trinker!

Der Spießer sah ein Plakat mit der Headline: „Getränke muss man können“ vom Absender Getränke Hoffmann. Und diese Aussage erinnerte den Spießer an die alte Volksweisheit: Nachts ist es kälter als draußen.
„Getränke muss man können.“ Zum Beispiel wieder auspinkeln, oder was?
„Getränke muss man können.“ Zum Beispiel wieder auspinkeln, oder was? (© HORIZONT)
Was will uns Getränke Hoffmann damit sagen, dass man Getränke können muss? Klar, man muss sie herstellen können. Und trinken können muss man sie ebenfalls. Auch wieder auspinkeln können ist wichtig. Aber mehr muss man nicht können mit Getränken. Oder doch ...? Alfons warf seinen spießigen Blick auf weitere Getränke-Plakate. Zum Beispiel Orangina – siehe die Abbildung! Die Headline lautet: „Schüttel Dir eine“! Was den Spießer an Kokosmilch denken lässt, die man sich von der Palme schütteln kann. Aber Orangina ...?
Schüttel Dir eine Orange aus der Zitrone – oder was ist hier gemeint ...?
Schüttel Dir eine Orange aus der Zitrone – oder was ist hier gemeint ...? (© HORIZONT)
Doch nach kurzem Nachdenken hatte der Spießer bereits die Lösung: Hier geht es um das Schütteln des Kopfes. Denn Orangina wird, wie der Name schon sagt, aus Orangen gemacht. Der Textdichter dagegen behauptet steif und fest: „Natürliche Limonade mit feinem Fruchtfleisch“. Womit er zum Ausdruck bringt: Orangina ist keine Orangeade, sondern hier wird in Wahrheit mit Zitronen gehandelt. Und das Schütteln von Getränken mit Kohlensäure führt beim Öffnen immer wieder zu spritziger Überraschung! Ja, nicht nur Getränke muss man können, sondern auch Getränkewerbung!

Wenn ein Getränke-Hersteller soooviel Geld hat, dass er es aus dem Fenster werfen kann, dann kann er beispielsweise Plakate á la „wachmeister“ machen - wenn Ihr Euch das mal anschauen wollt! Der kleine Fritz, der dieses Plakat gestaltet und geklebt hat, der hat vermutlich eine Werbeleere an einer Werbeflachschule gemacht, um auf solchen Nonsens zu kommen. Doch ein paar Insider werden sich bestimmt vor Begeisterung in die Hose pinkeln.
Wieviel Alkohol steckt eigentlich in einer Flasche Fritz-Kola, Herr Wachtmeister ...?
Wieviel Alkohol steckt eigentlich in einer Flasche Fritz-Kola, Herr Wachtmeister ...? (© HORIZONT)
Ja, nicht nur Getränke muss man können, sondern auch Getränkewerbung!

Grundsätzlich unterscheiden Biertrinker zwei Sorten von Bier: Das eine kommt aus der Flasche, das andere vom Fass. Und Bierfreunde schwören, dass ein frisch gezapftes Bier aus dem Fass nicht vergleichbar ist mit dem Gerstensaft aus der Pulle, auch wenn’s dieselbe Marke ist.

Kann sich jemand von Euch vorstellen, liebe HORIZONT-Leser, dass es ein Bier in der Flasche gibt, wo auf dem Etikett vermerkt ist, dass es sich hier um Fassbier handelt? Wohl kaum. Denn das wäre ja ähnlich, wie würde auf einem Suppenwürfel der Hinweis stehen, dass dort frisches Gemüse drin ist.

Oder wie bei einer Fassbrause, die in Flaschen angeboten wird – wenn Ihr Euch mal das betreffende Plakat für Krombacher’s Fassbrause anschauen wollt, wo auch der Apostroph überflüssig ist! Und der Hinweis „Natürlich 0,00% Alkohol“ ist ein schlechter Witz, denn wer kann schon darüber lachen ...?!
Fassbrause aus der Flasche ist vergleichbar mit Flaschenbier aus der Dose!
Fassbrause aus der Flasche ist vergleichbar mit Flaschenbier aus der Dose! (© HORIZONT)
Ja, nicht nur Getränke muss man können, sondern auch Getränkewerbung!

Eines der Lieblingsthemen des Spießers ist Werbung, in der potenzielle Kunden aufgefordert werden, etwas zu kaufen, weil sonst Menschen und Tiere sterben. Dazu erinnert Alfons an die Pampers-Werbung mit der Schutz-impfung, wo zu lesen war: „Mit dem Kauf dieser Windeln retten Sie einem Kind das Leben!“ Was bedeutet: Wenn Sie eine andere Marke kaufen, dann muss womöglich ein Kind sterben.

Und nun ist da wieder Krombacher und zeigt an: „Schützen und genießen!“– siehe die Abbildung! Der Plakatleser nimmt zur Kenntnis: Krombacher will „gemeinsam den Lebensraum unserer Arten schützen“.
Alibi für Biersäufer: „Es ist doch ... hicks! ... für einen guten Zweck!“
Alibi für Biersäufer: „Es ist doch ... hicks! ... für einen guten Zweck!“ (© HORIZONT)
„Unserer Arten“, wohlgemerkt, wozu also auch der Kartoffelkäfer und die Nacktschnecke gehören. Das funktioniert aber nur, so die Werbung, wenn wir einen Kasten Krombacher nach dem anderen kaufen. Denn: „Ein Kasten = 1 Stück Heimat“ – siehe den Plakatanschlag!

Was bedeutet das? Es bedeutet: Wer kein Krombacher kastenweise säuft oder eventuell eine andere Biermarke bevorzugt, der trägt dazu bei, dass Hopfen und Malz verloren sind, sprich, dass der Lebensraum unserer Arten nicht geschützt wird. Frage an die spießige Lesergemeinde: Fühlt Ihr Euch wohl dabei, wenn Ihr so eine schleimige Aktion entdeckt ...?

By the way: Bei „Schützen und genießen“ denkt der Spießer an jene Schützen, die als Jäger durch die Wälder ziehen, und es genießen, unsere Tiere abzuknallen und beim Halali das Bierglas heben. Auch das ist ein Stück deutsche Heimat.
Meist gelesen
stats