Spießer Alfons

Spießer Alfons

Spießer Alfons Wer mag schon einen Migranten-Truthahn!

Donnerstag, 29. September 2016
Wir sind Deutschländer und kommen aus Europa. Und woher kommt unser Putensteak im Restaurant? Richtig: Es kommt von einer Pute, woher sonst!?

Spießer Alfons sah eine Frau in einer Anzeige sitzen, und zwar an einem Tisch. Vor der Frau steht ein Teller, auf dem eine Serviette serviert wird. Und in wörtlicher Rede sagt die Frau: "Ich will wissen, woher mein Putensteak kommt. Deshalb frage ich jetzt auch im Restaurant."

Es ist dieses ein Sujet aus einer Werbekampagne der deutschen Geflügelwirtschaft. Und nachdem Spießer Alfons kürzlich einen Schinken gegessen hat, der aus der Rügenwalder Mühle kam und "fleischfrei" war ("Vegetarischer Schinken Spicker"), da ist dem spießigen Konsumenten bewusst geworden: Nicht alles, was wie Fleisch aussieht und sogar wie Fleisch schmeckt, ist auch tatsächlich von einem tierischen Lebewesen. Und es wäre wirklich saukomisch, würde man im Restaurant ein Putensteak bestellen und bekäme dann ein Sojasteak á la Pute auf den Teller!

Nach Lektüre der Anzeige hat der Spießer ein Restaurant besucht und dort ein Putensteak bestellt. Und noch bevor die Kellnerin es gebracht hatte, fragte Alfons: "Woher kommt mein Putensteak?"

Die Kellnerin guckte leicht verwirrt und antwortete: "Na, von einer Pute natürlich, woher denn sonst?"

Alfons erwiderte: "Na ja, es könnte ja auch sein, dass mein Putensteak gar nicht von einer Pute kommt!"

Die Kellnerin verwundert: "Ja, woher sollte es denn sonst kommen ...?"

Spießer Alfons erklärte: "Na ja, zum Beispiel von einem Truthahn!"

Die Kellnerin belehrte: "Pute ist doch nur ein anderer Name für Truthahn!"

Alfons dozierend: "Ne, meine Gute, ist es nicht! Die Pute ist nämlich weiblich, der Truthahn dagegen männlich! Wie es umgekehrt die Truthenne gibt und den Puter!"

Daraufhin erklärte die Kellnerin mit kategorischem Unterton: "Na ja, aber auf jeden Fall ist es Geflügel!"

Der Spießer: "Darf ich denn noch einmal fragen, woher mein Putensteak kommt?"

Die Kellnerin: "Ja, natürlich dürfen Sie, und zwar so oft ,wie Sie wollen!"

Der Spießer: "Sehr schön. Also: Woher kommt mein Putensteak?"

Die Kellnerin: "Aus der Küche!"

Der Spießer: "Na bitte, geht doch! Warum nicht gleich die passende Antwort?!"

Die Kellnerin: "Möchten Sie zu Ihrem Putensteak eine gebackene Kartoffel mit Sour Cream? Oder eine Banane gebacken in Honig?"

Der Spießer: "Woher kommt die Kartoffel?"

Die Kellnerin: "Aus Amerika. Von dort hat Christoph Kolumbus sie hergebracht."

Der Spießer: "Sehr gut, junge Frau! Dann lassen Sie mich raten, woher die Banane kommt!"

Die Kellnerin: "Sie wissen es nicht?"

Der Spießer: "Na klar weiß ich es: Die Banane ist deutschstämmig!"

Die Kellnerin: "Hä? Seit wann werden in Deutschland denn Bananen geerntet?"

Der Spießer: "Noch nie etwas von Kamerun gehört? Oder von Togo?!"

Die Kellnerin: "Ach? Sind das neue Bundesländer ...?"

Der Spießer: "Ne, das waren früher mal deutsche Kolonien. Und deshalb sind die Bananen möglicherweise deutschen Ursprungs, also Bananen mit Migrationshintergrund!"

Die Kellnerin überlegte kurz und wollte dann von Spießer Alfons wissen: "Möchten Sie zur deutschen Pute mit deutschstämmiger Bananen vielleicht ein Bier, das gebraut wurde nach deutschem Reinheitsgebot?"

Der Spießer: "Woher kommt dieses Bier?"

Die Kellnerin: "Wir haben Radeberger aus Sachsen und Paulaner aus Bayern."

Der Spießer: "Okay, dann bringen Sie mir stattdessen ein Glas deutsche Fritz-Kola! Und servieren Sie mir Speis und Trank bitte in einem Oberteil von Trigema!"
Frage im Restaurant: „Woher kommt mein Putensteak?“ Und sagt der Kellner, dass er keine Ahnung habe oder gar, dass das Putensteak aus der Türkei stammt, dann soll der Gast sofort aufstehen und das Lokal verlassen!
Frage im Restaurant: „Woher kommt mein Putensteak?“ Und sagt der Kellner, dass er keine Ahnung habe oder gar, dass das Putensteak aus der Türkei stammt, dann soll der Gast sofort aufstehen und das Lokal verlassen! (Bild: HORIZONT)
Es wird Euch bestimmt null interessieren, liebe HORIZONT-Leser, dass die Dampfbügelstation im Haushalt des Spießers ihren Geist aufgegeben hat. Aber vielleicht interessiert es den einen oder die andere von Euch, warum der Spießer einen Ersatz von der Marke Braun gekauft hat.

Dieses hat zwei Gründe, die sich aus Bauch und Kopf heraus ergeben hatten. In seinem Bauch fühlt Alfons die Marke Braun immer noch als deutsche Technik- und Design-Marke Nummer 1. Und die Kopfentscheidung wurde verursacht durch einen Aufkleber auf der Verpackung, wo folgender "Produkt-Tipp" zu lesen war: "Gratis Persil Jahresvorrat* beim Kauf einer CareStyle 5 Bügelstation"!

Also hat der Spießer die CareStyle 5 Bügelstation von Braun gekauft. Und das Kleingedruckte, auf das sich das Sternchen hinter "Jahresvorrat" bezieht, das hat der Spießer erst daheim entziffert. Es lautet: "Gilt für die ersten 1.000 registrierten Käufer im Aktionszeitraum 13.06. bis 31.08.2016".

Das Datum auf der Quittung war dummerweise der 16. September 2016.

Resignation des Spießers: Da weiß man, was man nicht hat.
Der Kunde sollte vor dem Kauf auch das Kleingedruckte lesen, und sei es noch so winzig!
Der Kunde sollte vor dem Kauf auch das Kleingedruckte lesen, und sei es noch so winzig! (Bild: HORIZONT)
Der European Song Contest hat auch etwas mit Werbung zu tun. Nicht nur, dass es darum geht, das musikalische Produkt eines Landes zu vermarkten, sondern die europäische Musik-Meisterschaft beeinflusst das Image eines Landes genauso wie eine Europa-Meisterschaft im Fußball. Und wer beim ESC auf dem letzten Platz landet, wie Deutschland im vergangenen Jahr, der steht in Europa und über die Grenzen hinweg da als Nation der tauben Ohren. Das Dumme dabei ist: Die Programmmacher von ARD & NDR haben nach ihren letzten Pleiten nichts dazugelernt.

Erklärung: Wie der Name schon sagt, geht es beim European Song Contest um einen neuen Song. Und warum landete Deutschland in den letzten Jahren am Ende der Tabelle? Lag es vielleicht an den Interpreten ...?

Mitnichten. Die Sänger haben ihre Sache gut gemacht. Das einzig Ungute an ihrem Auftritt war der Song, den sie vorgetragen haben. Doch darum geht es bei dem Wettbewerb, der ein internationaler Song-Contest ist und kein Sängerkrieg der Heidehasen.

Und nun? Nun machen ARD & NDR schon wieder ein Casting, um einen neuen Interpreten für den ESC 2017 zu entdecken!

Spießer Alfons empfiehlt den Verantwortlichen, zuerst mal einen Song zu suchen. Und diesen Song dann vielleicht von sechs Interpreten national inter-pretieren zu lassen, um dann durch das TV-Publikum entscheiden zu lassen, welche/r Sänger/in den Job am besten gemacht hat.

Ach ja, und weil es ja eine Werbung für das Land ist, wäre es nicht nur zweckdienlich, dass der Song auch "made in Germany" ist, will meinen, von deutschen Autoren stammt, sondern dass er folgerichtig in deutscher Sprache vorgetragen wird, wobei Teile davon durchaus in Englisch und Russisch gesungen werden könnten – allein der Taktik wegen.

Aaaber – der ESC 2017 ist ja wie gesagt weiterhin in den Händen von Lobbyisten, da haben unsere Komponisten und Textdichter keine Chance einer persönlichen Mitwirkung wie früher mal, als alle GEMA-Autoren teilnahmeberechtigt waren und für ihre eingereichten Songs die Interpreten vorschlagen konnten.
„Unser Song“ soll beim ESC gefunden werden. Die ARD sucht aber unseren Interpreten!
„Unser Song“ soll beim ESC gefunden werden. Die ARD sucht aber unseren Interpreten! (Bild: HORIZONT)

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