Spießer Alfons

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Spießer Alfons Legt der Werberat die Stirn in Falten?

Donnerstag, 14. Januar 2016
Wer Wasser als Wein verkauft, ist ein Betrüger. Und wer eine Creme verkauft, die Falten beseitigen soll und es nicht tut, – ja, was ist denn das für einer ...?
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Falte Werberat Stiftung Warentest


Eingangs der spießigen Kolumne erzählt Alfons Euch etwas über den Deutschen Werberat, eine Institution der deutschen Werbewirtschaft, von der die meisten Werber vermutlich noch nie etwas gehört haben. Die Einrichtung gibt es seit dem Jahre 1972; sie ist also jünger als die Kolumne von Spießer Alfons. Und was den Werberat und den Spießer verbindet: Beide werfen sie ein kritisches Auge auf Auswüchse beim Tun und Treiben der Werber in Deutschland.

Im Allgemeinen wird die Werbung von Unternehmen ja durch entsprechende Gesetze geregelt, damit der Wettbewerb fair bleibt und der Verbraucher geschützt wird vor unlauteren Methoden. Weil aber Gesetze allein nicht alle Lebensbereiche des Bürgers effektiv regeln können, schaltet sich der Deutsche Werberat ein als Instanz der Branche für eine Selbstregulierung bei Auswüchsen. Quasi als Moderator zwischen der werbung- treibenden Wirtschaft und dem Konsumenten, was man auch als Konfliktmanagement bezeichnen kann.
„Tschüss Falten“ meint: auf ein Wiedersehen!
„Tschüss Falten“ meint: auf ein Wiedersehen! (Bild: Unternehmen)
Der Werberat sagt zu seinen Aufgaben und Absichten: "Ziel dieser Form der Selbstbeschränkung ist es, verantwortungsbewusstes Handeln im Bereich der Werbung zu fördern sowie Missstände festzustellen und zu beseitigen.“ Und: "Der Werberat steht im ständigen Austausch mit der Wirtschaft, um dort das selbstdisziplinäre Bewusstsein wachzuhalten. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit trägt die Selbstkontrolleinrichtung dazu bei, den kritischen Blick auf das Werbegeschehen in Deutschland zu fördern."

So, und nach dieser Einleitung kommt der Spießer nun zum Eigentlichen, nämlich zu den Missständen in der Werbung, um die Alfons sich schon seit Jahren kümmert, während die Mitglieder des Deutschen Werberats ihre Köpfe davor in den Sand stecken. Es geht hierbei um Werbung für Produkte, die etwas versprechen, was sie nicht halten. Und diese Produkte sind Cremes, die angeblich Falten beseitigen.

Wenn Ihr Euch erinnert oder ein gutes Archiv habt, dann wisst Ihr, dass Alfons sich immer wieder darüber mokiert, dass Evas Töchter von einigen Kosmetik-Unternehmen so richtiggehend verarscht werden, indem die Firmen ihnen erfolgversprechende Anti-Falten-Cremes andrehen, die so wirksam gegen Falten sind wie Mayonnaise gegen Hämorrhoiden.
Beliebtes Ziel des Spießers: Kosmetikwerbung!
Beliebtes Ziel des Spießers: Kosmetikwerbung! (Bild: HORIZONT)
Frauen akzeptieren nur eine Falte: am Gesäß!
Frauen akzeptieren nur eine Falte: am Gesäß! (Bild: HORIZONT)
Was würde passieren, liebe Lesergemeinde, käme eine Mineralölfirma auf die Idee, in ihre Motorölkanister einfach billiges Speiseöl zu füllen und das als hochwertiges Schmieröl zum entsprechenden Preis zu verkaufen? Richtig: Die Autofahrer würden umgehend re-klamieren, weil das Produkt nicht die versprochene Wirkung hat. Und sie würden ihr Geld zurückfordern und außerdem Schadenersatz. Sollten sie ihre Forderungen nicht erfüllt bekommen, dann landet der Fall möglicherweise bei Verbraucherschützern und Rechtsanwälten, die gegen die Firma vorgehen, genauso wie die Medien darüber berichten würden, wenn die davon Wind bekommen hätten.

Gegen die Hersteller von Anti-Falten-Cremes dagegen geht niemand vor außer Spießer Alfons, und zwar mit Worten. Oder haben Sie schon mal davon gehört, dass eine Kundin das angebrochene Töpfchen ihrer Anti-Falten-Creme zurück in die Parfümerie bringt, ihr Geld zurückverlangt und mit dem Rechts-weg droht ...?

Umso mehr hat Spießer Alfons sich gefreut, als er soeben einen publizierenden Verbündeten gefunden hat, nämlich die Stiftung Warentest! Die hat neun Anti-Falten-Cremes getestet und ist zum unmissverständlichen Fazit gekommen: "Alterszeichen einfach wegcremen – wie schön das wäre. Unser Test zerstört diese Hoffnung erbarmungslos. Sichtbar wirken Antifaltencremes nicht." Ergo: Alle neun getesteten Produkte bekamen das Qualitätsurteil "mangelhaft".
Stiftung Warentest bringt in der Januar-Ausgabe 2016 von „test“ das Testergebnis von Anti-Falten-Cremes. Die Redaktion: „Unser Test zerstört die Hoffnung erbarmungslos“!
Stiftung Warentest bringt in der Januar-Ausgabe 2016 von „test“ das Testergebnis von Anti-Falten-Cremes. Die Redaktion: „Unser Test zerstört die Hoffnung erbarmungslos“! (Bild: Stiftung Warentest)
Und damit kommt der Spießer zurück auf den Deutschen Werberat. Der müsste eigentlich schon lange seine Stirn in Falten gelegt haben, denn es dürfte dem Gremium nicht unbekannt sein, dass Kosmetikunternehmen mittels Werbung einen Betrug am Konsumenten vornehmen, der vergleichbar ist mit dem Verkauf von Leitungswasser, das gegen Mundgeruch wirken soll. Verstärkend für den Betrug kommt hinzu, dass einige dieser Anti-Falten-Cremes zu Preisen verkauft werden, für die ein Mindestlohnempfänger etliche Stunden lang arbeiten muss.

Spätestens nachdem die Stiftung Warentest den Werbeschmu offengelegt hat, müsste der Werberat doch tätig werden – oder schweigt der womöglich dazu, weil unter den zehn Mitgliedern dieses Entscheidungsgremiums nicht eine einzige Frau zu finden ist, Herr Dr. Wiegmann ...?

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