Matthias Schrader, Sinner Schrader

Matthias Schrader, Sinner Schrader

Matthias Schrader Warum Marketing heute mehr Gestaltungskraft braucht

Dienstag, 01. April 2014


Marketing muss raus aus der Promotionecke und wieder Gestaltungskraft für Produkt, Vertrieb und Preisstrategien gewinnen, fordert SinnerSchrader-CEO Matthias Schrader. Zwanzig Jahre nach der Popularisierung des universitären Internet durch die Erfindung des Webbrowsers ist die wichtigste Erkenntnis: Digital ist das neue Normale. Das Besondere sind heute Analogkameras, Beratungsgespräche im Ladenlokal (mit abschließendem Kauf!) und spontaner Fernsehkonsum. Funktionieren scheinbare Selbstverständlichkeiten nicht, erzeugt das eine Dissonanz, etwa wenn ein Neuwagen online zwar mühsam konfiguriert, aber nicht gleich bestellt werden kann.

Der Autor:

Matthias Schrader ist Gründer und CEO von SinnerSchrader. Die Digitalagentur mit Fokus auf E-Commerce, Strategie und Kommunikation gehört zu den größten Europas. Mehr als 450 Mitarbeiter arbeiten u.a. für die Allianz, Beck’s, BASE, comdirect bank und TUIfly.

Digital als das neue Normale zu betrachten, lässt vieles, was heute mit digitaler Transformation etikettiert wird, zur reinen Selbstverständlichkeit schrumpfen. Während viele Unternehmen wieder verstärkt nach einer Digitalstrategie für ihr Unternehmen fahnden, sind die Konsumenten längst mit dem Thema durch. Digitale Technologien durchdringen ihren Alltag und sie denken nicht mehr drüber nach. Wie so oft bei Neuem, wurden auch hier die kurzfristigen Konsequenzen von Innovationen überschätzt, aber nach der Phase einer Ernüchterung langfristig massiv unterschätzt.

Es sind nach meiner Beobachtung drei wesentliche Veränderungen im Konsumentenverhalten, auf die Unternehmen heute Antworten finden müssen. Konsumenten sind durch das Netz überbequem sowie überinformiert geworden und sie nutzen es überall und nicht mehr punktuell.

Wie können Marketers auf diesen neuen Typus von Konsument adäquat reagieren? Zuallererst indem sie sich ernsthaft der Entwicklung widersetzen, dass ihre Profession als reiner Kostenfaktor betrachtet wird und sie in der Promotionecke verharrt, in die Einkauf und Controlling sie in den vergangenen Jahren nicht selten gestellt haben. Marketing muss sich wieder die Haltung erarbeiten, die zentrale Gestaltungsfunktion für Produkt, Preis und Vertrieb in den Unternehmen zu verantworten. McCarthys berühmte 4Ps gilt es mehr denn je zentral zu denken und zu designen, um im Markt noch Wirkung zu entfalten. Kommunikation alleine kann das heute nicht mehr leisten. Zudem funktionieren die digitalen Blaupausen der letzten 15 Jahren nicht mehr. Nur als digital noch eine Novität war, war es möglich, sich mit einer etwas besseren und etwas frühreren E-Commerce/ Online-Marketing/ Social-Media-Lösung im Markt erfolgreich zu differenzieren.

Next Berlin 2014

Die Konferenz NEXT Berlin hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Agendasetter für die Themen der digitalen Wirtschaft in Europa etabliert. Rund 1.800 Executives und Entrepreneure lassen sich in Vorträgen und Workshops zu Technologie- und Marketingtrends von international renommierten Vordenkern und Führungskräften inspirieren. Zum neunten Mal richtet die Digitalagentur SinnerSchrader, erstmals mit der dfv Mediengruppe als Partner, die Konferenz am 5.-6. Mai im Berliner Congress Center (bcc) aus. Im Fokus der Vorträge und Panels stehen die Evolution des Autos und die Revolution unserer Bezahlsysteme, tragbare und unsichtbare Interfaces, das neue Internet der Dinge, der Umgang mit Daten und die Transformation von Unternehmen durch die Digitalisierung. Im Kern gibt die Konferenz Antworten auf die Frage, wie sich Unternehmen heute strategisch ausrichten müssen, um in der neuen digitalen Normalität nachhaltig Erfolg haben zu können. Weitere Informationen und Tickets und www.nextberlin.eu.

Bei der Umsetzung dieser Roadmap braucht es in den Unternehmen nicht unbedingt einen Chief Digital Officer (CDO), wie man jetzt immer öfter hört. Was vielmehr nötig ist: ein Team von Customer-Driven Officers (wenn man so will: CDOs) im Board, die gemeinsam und mit einer gemeinsamen Agenda handeln. Kompass muss jedoch immer der Konsument und seine Erwartungen im Zeitalter digitaler Normalität sein - und diesen kennt der CMO am besten.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der HORIZONT-Ausgabe 20.3.2014.
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