Lukas Schneider und Oguz Yilmaz, whylder

Lukas Schneider und Oguz Yilmaz, whylder

Hype-App 3 Gründe, warum Snapchat ein geeigneter Kanal für Influencer Marketing sein kann

Donnerstag, 19. Mai 2016
Snapchat macht derzeit die halbe Marketing-Welt verrückt. Jeder will das vermeintlich nächste große Ding nicht verpassen. Ex-Youtuber Oguz Yilmaz (Y-Titty) und sein Geschäftspartner Lukas Schneider von der Webvideo-Agentur whylder warnen jedoch: "Bei Snapchat ist nichts wie wir es kennen."

Snapchat ist für die meisten Menschen, die älter als 20 sind, noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die App funktioniert grundlegend anders als bekannte Social Media Plattformen: Sie fordert direkt auf dem Startbildschirm zum Erstellen von eigenen Inhalten auf und nicht mehr nur zum reinen Rezipieren. Die Bedienung ist auf den ersten Blick verwirrend, auf den zweiten jedoch so simpel wie bei wenig anderen Apps.

Snapchat hat geschafft, woran viele andere Angebot gescheitert sind: die Etablierung von Vertical Video. Wir halten unser Smartphone nun mal hochkant in der Hand und möchten es nicht immer umständlich umgreifen, auch wenn das horizontale Video unseren Sehgewohnheiten entspricht. Bei Snapchat ist nichts wie wir es kennen. Der User muss sich deshalb aktiv mit Snapchat auseinandersetzen, um die Möglichkeiten der Plattform zu entdecken. Das gleiche gilt auch für die Unternehmenskommunikation: Werbebotschaften müssen neu gedacht und vermittelt werden.

Probierphase nutzen!

Wie schon bei Youtube und Facebook kann man auch bei Snapchat die noch immer frühe Phase der Plattform nutzen, um neue Wege der Kundenkommunikation auszuprobieren, ohne dass dabei immense Kosten entstehen. Als vor einigen Jahren die beiden Platzhirsche Facebook und Youtube ihre Monetarisierungsstrategie mit neuartigen Werbeformen ausrollten, bot dies Unternehmen die Chance, sich mit innovativen Kampagnen von der Masse abzusetzen. Youtube zwang mit seinen Trueview Ads die Werber dazu, die Zuschauer bereits in den ersten fünf Sekunden zu fesseln. Und mit der Etablierung von ganz neuen digitalen Stars gewann auch das Influencer Marketing an Gewicht.

Snapchat befindet sich gerade am Beginn dieser Entwicklung: mit sponsored Lenses und Filtern betritt Snapchat zwar gerade Neuland, macht die Geschichten der Nutzer aber zu eigenen Werbebotschaften - viele davon sogar kreativer als die meisten Werbekampagnen. Bevor sich die Plattform professionallisiert, können sich Marken hier als First Mover etablieren und eine junge Zielgruppe ansprechen.

Die jungen Nutzer lieben Snapchat!

In den USA hat Snapchat bei den Jugendlichen bereits Instagram überholt, in Deutschland nutzen die 10-19 Jährigen die Plattform immerhin häufiger als Facebook. Aber woran liegt das? Die App ermöglicht es, sich schnell und unkompliziert mit Freunden auszutauschen. Man muss kein langes Statusupdate verfassen oder ein aufwendiges Video drehen und schneiden. Snapchat ist der "normalen" face-to-face-Kommunikation so nah wie kaum eine andere Plattform zur Zeit. Und sie ist vergänglicher. Ich muss mich nicht fragen, ob meine neuen Freunde nicht die Stirn runzeln über meine Snaps vom letzten Jahr - es gibt meine Inhalte nämlich bereits nach 24 Stunden nicht mehr.

Aufgrund dieser Unverbindlichkeit und Direktheit verlagern Jugendliche ihre gesamte Kommunikation auf die neue Plattform. Für Marken wird es essentiell, diesen Schritt mitzugehen, um nicht den Anschluss an neue Nutzerschaften oder Kommunikationskonventionen zu verlieren.

Snapchat ist live und authentisch!

Snaps werden nicht mit einer professionellen Kamera gedreht, sondern mit dem Smartphone, sie werden nicht geschnitten, sie können auch nicht gespeichert und zu einem genau kalkulierten Zeitpunkt hochgeladen werden. Natürlich stellen sich jetzt Unternehmen die Frage, wie sie Snapchat für sich nutzen können. Zu allererst sollte klar sein: Auf Snapchat wird man als Unternehmen nicht automatisch gefunden. Im Gegensatz zu Facebook wird mir als User nicht vorgeschlagen, wem ich denn noch folgen sollte oder was mir gefallen könnte. User auf Snapchat können auch nicht aufgrund ihrer Vorlieben oder ihres Nutzungsverhaltens gezielt mit Werbung getargeted werden - die Plattform verschließt sich diesen Möglichkeiten.

Unternehmen müssen also eine Contentstrategie erarbeiten. Diese kann auf dem eigenen Unternehmensaccount stattfinden oder über Influencer Marketing bei reichweitenstarken Snappern. Unternehmen sollten beachten, dass Snapchat-Storys nur 24 Stunden verfügbar sind und Content regelmäßig produziert werden muss - kein leichtes Unterfangen für Marken mit aufs kleinste Detail orchestrierten Kampagnen.

Die zweite Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit reichweitenstarken Usern der Plattform bei der Platzierung des eigenen Produktes. Mit der Auswahl des richtigen Influencers kann die Marke sich in einem authentischen platzieren und Sichtbarkeit garantieren. Eine direkte Verlinkung aus Snapchat heraus ist allerdings noch nicht möglich.

Fazit

Snapchat ist natürlich bei Weitem nicht perfekt. Noch fehlen den Werbetreibenden verlässliche Daten über die Nutzer, um im Mediamix eine tragende Rolle spielen zu können. Die Plattform steht erst am Anfang und sie ist vor allem nur der Vorbote von weiteren innovativen Playern, die den Wandel der Content-Produktion und -Rezeption noch weiter voran bringen werden. Nicht nur die Nutzer müssen sich auf das Neue einstellen, sondern vor allem die Werbetreibenden sollten Teile ihres Mediabudgets frühzeitig in neue Plattformen investieren, um Learnings aus der veränderten Kundenkommunikation zu ziehen.

Meist gelesen
stats