Marc Thomalla, neuwaerts

Marc Thomalla, neuwaerts

Heimathafen Facebook? Wieso es scheißegal sein kann, wenn die Fanpage 1.000.000 Fans hat

Freitag, 12. Juni 2015
Im Wettrennen um die meisten Facebook-Fans lassen sich Unternehmen und Medien immer wieder die wildesten Tricks einfallen. Doch ist dieser Kampf um Facebook-Freunde überhaupt sinnvoll? HORIZONT-Online-Gastautor Marc Thomalla hat da so seine Zweifel!

Ich habe vor einigen Tagen mal die "heißesten Online-Marketing Trends 2015" nachgelesen, wo wir doch mittlerweile schon wieder Juni haben und bald die ersten Weihnachtsgeschenke online shoppen werden. Da war - wie jedes Jahr - viel Bullshit dabei, der eine schreibt vom anderen ab, aber einen Trend hat irgendwie kaum einer auf dem Schirm gehabt: Die Unternehmen wechseln langsam aber stetig die Strategie – weg von Facebook als Heimathafen, hin zu eigenen Plattformen und zeitgleich zu einer besseren Verteilung des Contents (juhuu, #ContentMarceting) auf verschiedene, nach Zielgruppen optimierte Kanäle. So werden SEO-relevante Social Signals geschaffen, die mehr wert sein können als 1.000.000 Fans auf Facebook. Wo ich persönlich den Trend bis Jahresende sehe, dazu jetzt mehr.

Ich will Facebook keinesfalls die Berechtigung absprechen, ideal für Kunden zu sein, um mit den Markenliebhabern oder auch (verärgerten) Kunden in den Dialog zu treten. Ich berate selbst Kunden in diese Richtung, auch entwickelt sich Facebook immer mehr zu einer Performance-Plattform, wo sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.
„Als Unternehmen ist man quasi Gefangener auf Facebook. “
Marc Thomalla
Jedoch ist man als Unternehmen quasi Gefangener auf Facebook. Man kann nicht so viel anpassen wie auf eigenen Seiten, dennoch ist es auch nicht leicht, Fans von Facebook weg zu ziehen auf andere Seiten. Was also tun? 

Auf Facebook wird sich Appetit geholt, gegessen wird Zuhause!

Ich glaube an das Gute im Menschen und gehe daher davon aus, dass sich Unternehmen Ziele gesetzt haben, die auf Facebook erreicht werden sollen.  Je nach Ziel ist es nun wichtig, dort die nötigen Schritte in die Wege zu leiten. Ist es Branding? Soll das Unternehmen oder das Produkt in aller Munde sein? Oder sollen die Fans Produkte kaufen oder testen? Vielleicht auch nur einen direkten Ansprechpartner bekommen, um die Hotline zu entlasten? Spielt diese Themen auf Facebook, informiert die Fans – und dann ab nach Hause! Es sollen zwei neue Sommerkollektionen vorgestellt werden, die Ende Juni bestellbar sein werden? Perfekt – dann auf Facebook darüber informieren und die ganze Kollektion auf einer mobil (!) optimieren (!!) Landingpage bereitstellen. Und ja, genau DA sollen jetzt bitte Sharingbuttons integriert werden. Lasst den Fans die Chance, Inhalte zu teilen. 

Social Signals – alle Wege führen zur Homepage

Mal angenommen, wir haben jetzt die 1.000.000 Fans auf Facebook. Von den 1.000.000 sehen circa 2 bis 3 Prozent der Fans ein organisches Posting. Das wären demnach im besten Fall 30.000 Fans. Die Interaktionsrate mit einem Posting liegt im Schnitt bei 5 Prozent, also interagieren (like, comment und/oder share) mit einem Posting bei 30.000 möglichen Lesern 1.500 Fans. Auf einmal ist die Reichweite gar nicht mehr so groß wie sie scheint – wäre es dann nicht sinnvoller, nicht nur auf Facebook zu setzen, sondern den Heimathafen entweder bei sich als „Social Hub“ zu bauen oder wenigstens den Content zu verteilen und zur entsprechenden Landingpage zu verweisen?
Andrea Malgara
Bild: Mediaplus

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Social Signals sind Verlinkungen von verschiedenen Quellen wie Twitter, Facebook, Google+, XING etc. auf die eigene Webseite. Je mehr Verlinkungen es gibt, desto höher die Social Signals. Ein nicht zu unterschätzender Wert, zeigt er doch den Traffic und das Interesse der Nutzer abseits von lediglich Facebook. Ich sage nicht, dass jetzt jedes Unternehmen gleich einen Twitter-Account registrieren muss – für viele eignet sich Twitter (leider) ohnehin derzeit nicht. Aber je nach Ziel sollte man schauen, diese nicht nur auf Facebook zu verfolgen, sondern zu verteilen, eine Art „Social Media Kreislauf“ zu bilden, der immer am gleichen Ort endet: Auf der eigenen Seite. 

Wieso es wichtig ist, die eigene Seite als Heimathafen zu haben

Im Zeitalter von Big Data und entsprechenden Tools ist es wunderbar möglich, die Kunden nicht zu stören, sondern das zu zeigen, was sie auch gern sehen wollen. Also braucht man Informationen über sie – und diese bekommt man am besten, wenn sich potentielle Käufer auf der Webseite des Unternehmens aufhalten und durch die Seiten navigieren. Die Daten können dann in Social Networks genutzt werden, um dort zielgruppengenauer Informationen platzieren zu können.

Aber ein weiterer, ganz wichtiger Faktor: Man ist Herr über den Quellcode. Die Gestaltung kann kreativ aussehen – viel spannender als die Optionen, die man auf Facebook und Co. als Unternehmen hat. Mehrwerte für den Besucher können geschaffen, Leads qualifiziert werden. Das Thema Datenschutz ist sicher auch nicht ein sooo unwichtiger Punkt, zumindest wenn die IT mit an Bord geholt wird.

Listen wir die Vorteile einmal auf

1. 
Freie Gestaltungsmöglichkeit des Layouts 

2. 
Besseres Tracking als auf externen Seiten 

3. 
Mittelfristig kostengünstiger 

4. Flexibilität 

5. 
Besserer Datenschutz

6. 
SEO

Am Ende muss jedes Unternehmen anhand der Unternehmensziele selbst wissen, was es will. Ich sehe jedoch klar den Trend weg von Social Media hin zu eigenen Plattformen. Und das ist gut so. 

Der Autor

Marc Thomalla hat Ende der 90er das Internet zu seinem zweiten Zuhause erklärt und lebt seitdem dort glücklich und zufrieden. Er arbeitet als Standortleiter und Director Strategy & New Business bei werbeboten.de in Hamburg und betreut von dort aus Kunden verschiedener Branchen und Größen. Privat ist er als Familienmensch für seine drei Kids da, bloggt privat auf http://www.thomal.la und ist stolzer Fan des SV Werder Bremen. Mehr zu Marc Thomalla auf http://www.about.me/marceting

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