Tim Theobald

Tim Theobald

Donald Trump Wahlwerbespot Populistischer Irrsinn in 30 Sekunden

Dienstag, 05. Januar 2016
Donald Trump bezweifelt ja laut eigener Aussage, dass er Wahlwerbespots im TV überhaupt nötig hat. Schließlich führt der milliardenschwere Unternehmer die Umfragen unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern deutlich an. Dennoch hat er gestern seinen ersten Spot veröffentlicht, der in Iowa und New Hampshire im TV ausgestrahlt wird. Das Ergebnis: 30 Sekunden populistische Trump-Mania.
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An dem bisherigen Wahlkampf von Donald Trump ist kaum ein Vorbeikommen. Nicht nur die nationalen Medien in den USA berichten in hoher Frequenz von den markigen Auftritten des 69-Jährigen, auch nach Europa schwappen seine genauso simplen wie emotional vorgetragenen Botschaften zu Einwanderung, Grenzschließungen und dem islamistischen Terror über - nicht zuletzt weil das Flüchtlingsthema aktuell nirgendwo eine solche Brisanz hat wie hierzulande. Trump bekommt aufgrund seiner zahlreichen politisch inkorrekten Äußerungen zu Barack Obama, Hillary Clinton oder mexikanischen Immigranten so viel kostenlose PR wie kein anderer Kandidat der Republikaner - tatsächlich eine brillante Earned-Media-Strategie, auch wenn sie in dieser Form wohl nur in den USA so viel Anklang findet. Dennoch hat der Unternehmer jetzt seinen ersten Wahlwerbespot gelauncht, der sein "Programm" in nur 30 Sekunden abbilden soll. Das Commercial, das hauptsächlich in schwarz-weiß gehalten ist und nicht von Trump selbst gesprochen wird, präsentiert die Kernaussagen über Bilder von Terroristen, Attentaten, verletzten Menschen und Grenzübertritten von Flüchtlingen - und richtet sich durch eine kurze Einblendung von Präsident Obama und der demokratischen Kandidatin Clinton auch an die politischen Gegner. Dazu zählt der Erzähler mit tiefer Stimme die populistischen und teilweise martialischen Forderungen Trumps auf: ein Einreiseverbot für Muslime, solange, "bis wir herausfinden, was los ist", die Grenzschließung von Mexiko in die USA sowie das "Köpfen des IS" samt Vereinnahmung von dessen Öl. Auch wenn das Ganze bei Trump nicht wirklich mehr überraschen kann: Bei so einer Hetze muss man erstmal durchatmen. Am Ende sieht man den Kandidaten dann doch noch selbst auf einer seiner zahlreichen Wahlkampfreden beim Ausspruch seines Claims, der freilich auch das Motto für den Spot bildet: "We will make America great again."

Abgesehen von der gewohnt rassistischen Tonalität und politischen Einfältigkeit, ist das Commercial - die verantwortlichen Kreativen werden übrigens geheim gehalten - auch aus kreativer Sicht alles andere als eine Offenbarung. Handwerklich ist der 30-Sekünder bestenfalls okay. Der mögliche Präsidentschaftsanwärter versucht in kurzer Zeit viele simple Botschaften unterzubringen und den Adressat emotional anzusprechen - was ihm aber aufgrund des schwachen Voice-overs kaum neue Wähler bescheren dürfte. Denn dass sich Trump nicht selbst in dem Spot ins Rampenlicht rückt, ist ein merkwürdiger Fauxpas. Schließlich ist die überbordende Selbstdarstellung im bisherigen Wahlkampf Trumps größter Trumpf.

Aber noch hat die heiße Phase des Vorwahlkampfs unter den Republikanern nicht begonnen. Und laut eigenem Bekunden liegt Trump zu diesem Zeitpunkt noch 35 Millionen Dollar unter dem veranschlagten Budget. Die Schaltung des ersten Spots in Iowa und New Hampshire soll für einen Monat "nur" rund zwei Millionen Dollar kosten. Es steht zu befürchten, dass der Trump-Irrsinn in weiteren TV-Commercials seine Fortsetzung findet. tt
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