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Im Brennpunkt: Schon vor der Dmexco wird über die Dmexco diskutiert
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Dmexco 2017 Warum "Germany First" nicht funktionieren würde

Im Brennpunkt: Schon vor der Dmexco wird über die Dmexco diskutiert
Mehr Aussteller, mehr Besucher, mehr Redner, mehr Kontakte, mehr Business, mehr Stand- und Hotelkosten, mehr Partys. Jahrelang war die Dmexco ein Selbstläufer und glänzte mit Erfolgsdaten, die jedes Start-up neidisch machen würden. Doch 2017 sieht die heile Digital-Messewelt in Köln auf einmal ganz anders aus. Im neunten Jahr steht das Erfolgsformat vor der ersten großen Bewährungsprobe.
von Volker Schütz, Mittwoch, 16. August 2017
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    Es sind nicht so sehr die überraschenden, teilweise mit bösen Worten begleiteten Absagen von Mediacom, Zalando oder Havas, die den Messemachern Frank Schneider und Christian Muche vier Wochen vor dem Megaevent zumindest partiell die Laune verdorben haben dürften. Schließlich ist die Anzahl der Aussteller weiter gestiegen. Und strenggenommen sind die Klagen mancher Mediaagenturen lächerlich: Seit wann sind 99-Euro-Tickets für Unternehmen, die jährlich viele Millionen Euro Gewinn machen, unbezahlbar?

    In Wirklichkeit ist nicht die Kostenfrage der Knackpunkt, sondern das inhaltliche Konzept. Schon im vergangenen Jahr monierten Beobachter (ich inklusive) die offensichtlich übergroße Begeisterung der Veranstalter für US-Milliardenkonzerne, deren Vertreter die Podien auf der Congress und Debate Hall bevölkerten, als gäbe es im Internet nur Facebook, Google und Procter & Gamble. Die Angst, unter die Räder zu kommen, war und ist bei deutschen Unternehmen nach wie vor zu spüren.
    dmexco2016
    Bild: Foto:dmexco

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    Eigentlich sollte die Dmexco als Nachfolgeveranstaltung der OMD auch und vor allen Dingen deutschen Vermarktern eine attraktive Präsentationsplattform bereitstellen. Davon war man im vergangenen Jahr weit entfernt. Davon wird man auch künftig weit entfernt sein, notwendigerweise. Digitalwerbung ist international geworden, und dies muss eine Leitmesse reflektieren. „Germany First“ funktioniert in einem globalen Wirtschaftszweig nun mal nicht. Immerhin betont Dmexco-Manager Schneider in jedem Gespräch, man habe bei der Präsenz und Integration nationaler Anbieter nachjustiert. Das lässt hoffen und trägt zur Beruhigung erhitzter Gemüter bei.

    Unabhängig davon hat man den Eindruck, als hätten sich die Dmexco-Macher einige Kernelemente der Internet-Ökonomie – Größe, Wachstum und Reichweite um jeden Preis – in den vergangenen Jahren zu sehr zu Herzen genommen und manche Aussteller und Besucher überfordert.

    Negativ formuliert: Das Kölner Event ist ein zum Leben erwecktes, unübersichtliches Lumascape-Poster geworden. Damit muss man erst einmal fertig werden.

    Das Ganze lässt sich natürlich auch positiv deuten: Die  Dmexco ist ein nahezu vollständiges Spiegelbild des Gesamtmarktes - große Bühne und digitaler Flohmarkt zugleich. Mit anderen Worten: Die Messe ist eine Plattform, die möglichst viele Wünsche erfüllen will. Ob dies gelingt – das wird sich weisen. Das Programm, inklusive der zahlreichen BVDW-Seminare, die die relevanten Online-Themen auch abseits der globalen Perspektive im Fokus haben, verspricht einiges.

    Natürlich ist bei der Planung des Messebesuchs Kreativität gefordert. Aber sich in einem verwirrenden, lauten, dissonanten Marktumfeld zu bewegen, gehört doch längst zum Berufsalltag der Netz-Experten. Wir wissen doch: Digitale Kommunikation ist komplex und kompliziert, egal in welchem Marktsegment und auf welchen Plattformen wir uns bewegen - und sei diese Plattform ausnahmsweise eine ganz analoge Messe.

    Wer partout auf der Suche nach einem Skandal ist, wird eher außerhalb  der Messehallen fündig. Die verdammten Hotel-Preise in Köln, ja, die sind während der heißen Digitaltage in der Rheinstadt obszön teuer. Bislang hat sich noch niemand sich in einem Offenen Brief bei Hotelbetreibern oder Stadtpolitikern beschwert. Zeit wäre es.

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